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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
5. Buch

22. Kriegeszeit und Kriegeslauf hängen von dem Ratschluß Gottes ab.

So verhält es sich auch mit den Kriegszeiten; sie finden rascher oder zögernder ihr Ende, je nachdem es eben in seinem Gutdünken und gerechten Ratschluß und Erbarmen gelegen ist, das Menschengeschlecht zu züchtigen oder zu trösten. Der Seeräuberkrieg wurde von Pompejus1 , der dritte punische Krieg von Scipio2 mit unglaublicher Raschheit und in kürzester Zeit zu Ende geführt. Auch der Fechter- und Sklavenkrieg3 fand, obwohl mehrere römische Feldherren und zwei Konsuln besiegt wurden und Italien eine furchtbare Verheerung erlitt, im dritten Jahre schon nach schweren Verlusten sein Ende. Die Picenter, Marser und Peligner, italische Völkerschaften, nicht auswärtige, machten, nachdem sie lang und mit größter Hingebung unter dem Joch der römischen Herrschaft gedient hatten, den Versuch, ihr Haupt frei emporzurichten, zu einer Zeit, da bereits viele Völker der römischen Herrschaft unterworfen waren und Karthago schon nicht mehr bestand; in dem dadurch veranlaßten italischen Krieg4 erlitten die Römer eine ganze Reihe von Niederlagen; er kostete überdies zwei Konsuln und anderen Senatoren vornehmsten Ranges das Leben; jedoch das Übel zog sich nicht in die Länge, das fünfte Jahr brachte den Ausgang. Dagegen hat der zweite punische Krieg5 achtzehn Jahre hindurch dem Staate die schwersten Verluste und Unheil über Unheil gebracht und die Kräfte der Römer geschwächt und beinahe erschöpft; in zwei Schlachten fielen nahezu 70.000 römische Krieger. Der erste punische Krieg währte dreiundzwanzig Jahre lang6 , der mithridatische vierzig Jahre7 . Und damit man nicht glaube, die Römer der Frühzeit seien tapferer gewesen und hätten deshalb die Kriege rascher zu Ende gebracht, so sei aus den ob jeglicher Tugend gar hoch gepriesenen alten Zeiten nur an den Samniterkrieg erinnert, der sich fast fünfzig Jahre hinzog8 ; in diesem Kriege wurden die Römer so völlig besiegt, daß sie sogar unter das Joch geschickt wurden9 . Weil sie jedoch den Ruhm nicht in Unterordnung unter die Gerechtigkeit liebten, sondern augenscheinlich die Gerechtigkeit nur im Hinblick auf den Ruhm, so brachen sie die Friedensbedingungen. Ich erwähne das deshalb, weil viele, die die alten Zeiten nicht kennen, und auch manche, die sie wohl kennen, aber mit ihrem Wissen hinter dem Berg halten, sowie sich in den christlichen Zeiten ein Krieg etwas in die Länge zieht, gleich in der unverschämtesten Weise auf unsere Religion losfahren und aussprengen, sie sei schuld, und wenn sie nicht wäre, sondern die Gottheiten nach altem Brauch verehrt würden, so wäre dank der römischen Tüchtigkeit, die mit Hilfe des Mars und der Bellona die größten Kriege rasch beendigt habe, auch dieser Krieg in kürzester Zeit vorüber. Es sollen sich also doch die Kenner der alten Geschichte ins Gedächtnis rufen, wie langwierige Kriege ehedem die Römer geführt haben, wie sehr das Glück dabei wechselte, welch jammervolle Verluste sie ihnen brachten — es ist nun einmal das Los des Erdkreises, gleich einem sturmgepeitschten Meere aufgewühlt zu werden durch solches Unheil wie durch Unwetter aller Art —, und sie sollen endlich die unbequemen Tatsachen anerkennen und aufhören, mit ihren törichten Lästerungen wider Gott sich ins Verderben zu stürzen und die Ungebildeten irre zu führen,

1: Im J. 67 v. Chr.
2: Im J. 146 v. Chr.
3: 73-71 v. Chr.
4: 91-88 v. Chr.
5: 218-201 v. Chr.
6: 264-241 v. Chr.
7: 87-63; dazu der Krieg gegen Pharnakes, den Sohn des Mithridates, 47 v. Chr.
8: 342-290 mit Unterbrechungen.
9: Im J. 321; Liv. 9, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger