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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
4. Buch

7. Ist bei den irdischen Reichen Aufschwung und Niedergang auf die Hilfe der Götter und auf Entziehung dieser Hilfe zurückzuführen?

Wenn dieses Reich ohne Hilfe der Götter so mächtig und fürdauernd war, weshalb schreibt man dann die gewaltige Ausdehnung und die lange Dauer des römischen Reiches den römischen Göttern zu? Was immer nämlich dort der Grund der Erscheinung war, ist es auch hier. Wenn man aber jene Tatsache der Beihilfe der Götter zuschreiben will, so frage ich, welcher Götter? Denn die anderen Völker, die Ninus bezwang und unterwarf, verehrten dieselben Götter. Oder wenn die Assyrer eigene Götter hatten, erfahrenere Werkleute sozusagen in der Staatsbildung und Staatserhaltung, sind sie dann gestorben, als die Assyrer der Herrschaft verlustig gingen, oder zogen sie es wegen Lohnverweigerung oder wegen Verheißung eines größeren Lohnes vor, zu den Medern überzugehen und von da wieder zu den Persern, als Cyrus sie einlud und etwas verhieß, was ihnen besser paßte, einem Volk, das sich innerhalb gar nicht enger Gebiete des Orients, nachdem die räumlich so weit ausgedehnte Herrschaft des Macedoniers Alexander in kürzester Frist vorübergebraust war, bis zum heutigen Tage in seiner Herrschaft erhalten hat? Demnach wären die Götter entweder treulos, da sie die Ihrigen verlassen und zu den Feinden übergehen [was doch nicht einmal Camillus tat, nur ein Sterblicher, als er, der Bezwinger und Eroberer der feindseligsten Stadt, die Undankbarkeit Roms, für das er den Sieg erfochten, zu fühlen bekam und es dennoch nachmals, der Unbill vergessend, eingedenk der Pflicht gegen die Vaterstadt, vor den Galliern neuerdings rettete], oder sie wären nicht so mächtig, wie es Götter sein sollen, da sie durch menschliche Klugheit oder Kraft besiegt werden können; oder wenn, falls sie selbst mit einander Krieg führen, zwar nicht die Götter von den Menschen, wohl aber Götter von anderen Göttern etwa besiegt werden, die Götter des einen Staates von denen des andern, so hätten eben auch sie Feindschaft mit einander, die sie auf sich nehmen für ihren Anhang. Demnach hätte der Staat nicht so fast die eigenen Götter verehren sollen als vielmehr fremde, damit diese den eigenen Göttern beistünden Was es übrigens auch für eine Bewandtnis haben mag mit diesen Göttern, ob sie die Überläufer spielen oder fliehen, ob sie auswandern oder im Kampfe erliegen, damals und in jenen Gebieten war der Name Christi noch nicht verkündigt, als diese Weltherrschaften unter ungeheuren kriegerischen Zusammenstößen verloren gingen und an andere Völker gelangten. Hätte nämlich damals, als nach mehr denn zwölfhundertjähriger Dauer das Reich den Assyrern abhanden kam, die christliche Religion bereits ein anderes, das ewige Reich verkündet und den gotteslästerlichen Kult der falschen Götter verhindert, so hätten ohne Zweifel törichte Leute dort gesagt, ihr Reich, das sich so lange erhielt, sei lediglich daran zugrunde gegangen, daß man ihre Religionen aufgegeben und die christliche angenommen habe. In solch törichten Äußerungen, wie sie wohl gefallen wären, mögen unsere Gegner ihre eigenen erkennen und sich der gleichen Klage schämen, wenn sie überhaupt noch Schamgefühl besitzen. Indes ist das römische Reich eigentlich nur schwer erschüttert, nicht an andere übergegangen, und das ist ihm auch in vorchristlichen Zeiten begegnet und es hat sich von solchen Erschütterungen wieder erholt; daran darf man auch jetzt nicht verzweifeln. Wer kann wissen, was Gott hierin beschlossen hat?

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger