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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
3. Buch

31. Die derzeitigen Unannehmlichkeiten Christus zuzuschreiben ob des Verbotes der Götterverehrung, ist eine Unverschämtheit, da zu der Zeit, als sie verehrt wurden, die schwersten Verheerungen auftraten.

So mögen sie ihre Götter anklagen wegen dieser furchtbaren Übel, statt unserm Christus für seine herrlichen Güter undankbar zu sein. Kein Zweifel, als sich jene Übel zutrugen, loderten die Altäre der Götter und dufteten von sabäischem Weihrauch und von frischen Blumengewinden, die Priesterschaft stand in Ehren, die Tempel erstrahlten im Glanze, man opferte, man spielte, man raste in den Tempeln, während allenthalben von Bürgern Bürgerblut in Strömen vergossen wurde, und zwar selbst unmittelbar vor den Altären der Götter. Tullius suchte nicht mehr in einem Tempel Schutz, weil Mucius ihn dort vergebens gesucht hatte. Dagegen flüchteten sich die, die über die christlichen Zeiten mit weit weniger Grund schmähen, an die Stätten, die Christo besonders geweiht sind, oder es haben sogar die Barbaren sie dorthin geleitet in der Absicht, ihnen das Leben zu retten. Das weiß ich gewiß und jeder, der unparteiisch urteilt, sieht es ohne weiteres ebenso ein [ich übergehe vieles andere, was ich erwähnt habe, und noch weit mehr, was ich ohne allzu große Abschweifung nicht erwähnen kann]: wenn das Menschengeschlecht vor den punischen Kriegen die christliche Lehre angenommen hätte und es wäre darauf die furchtbare Verwüstung erfolgt, die in jenen Kriegen Europa und Afrika heimsuchte, so hätten alle die, unter deren Vorwürfen wir jetzt leiden, diese Übel ausschließlich auf Rechnung der christlichen Religion gesetzt. Noch weit unerträglicher aber wäre ihr Gezeter, speziell mit Bezug auf die Leiden der Römer, wenn auf die Annahme und Verbreitung der christlichen Religion der Einfall der Gallier oder die vom Tiberfluß und durch Feuer verursachte Verheerung oder gar die Bürgerkriege gefolgt wären, die alle Übel hinter sich lassen. Auch andere Übel, so unglaubliche, daß man sie zu den Ungeheuerlichkeiten zählte, wem sonst als den Christen würde man sie, wenn sie in den christlichen Zeiten eingetreten wären, zur Last gelegt haben? Ich will von den mehr seltsamen als verderblichen Vorkommnissen absehen, wie daß Rinder redeten, Kinder im Mutterschoß Worte sprachen, Schlangen flogen, Weiber und Hennen sich ins männliche Geschlecht verwandelten und anderes dergleichen,Vorkommnisse, die nicht in ihren Fabelwerken, sondern in ihren Geschichtswerken erwähnt werden, jedoch den Menschen nicht Verderben bringen, sondern Staunen einflößen, wobei es dahingestellt sein mag, ob sie sich wirklich zutrugen oder nicht. Aber wenn es Erde regnete oder Kreide oder Steine [wirkliche Steine, nicht Hagelkörner, die man auch Steine nennt], so konnte man doch wohl sogar schwere Verletzungen davontragen. Wir lesen ferner, daß sich das Feuer des Ätna vom Gipfel des Berges bis an die Küste ergoß und das Meer in solche Hitze versetzte, daß Felsen ausbrannten und das Pech an den Schiffen schmolz. So unglaublich das klingt, ein schwerer Schaden wars natürlich doch. Wiederum infolge von Feuerausbruch wurde Sicilien, wie schriftlich überliefert ist, mit einer solchen Menge Asche bedeckt, daß dadurch die Häuser der Stadt Catania verschüttet und unter der Last erdrückt wurden; die Römer haben ihr wegen dieses Unglücks teilnehmend die Abgabe jenes Jahres erlassen. Auch davon wird berichtet, daß in Afrika zu der Zeit, da dieses Land bereits eine römische Provinz war, die Heuschrecken in ungeheuerlichen Schwarmen auftraten; sie sollen alle Früchte und Blätter verzehrt und sich als eine außerordentlich große und unermeßliche Wolke ins Meer gestürzt haben; dort verendeten sie, wurden an die Küste gespült, verpesteten die Luft und verursachten eine so verderbliche Seuche, daß nur allein im Reich des Masinissa achtmalhunderttausend Menschen daran gestorben sein sollen und noch weit mehr an den Küstenstrichen. Damals seien, so wird versichert, in Utica von den dreißigtausend jungen Leuten, die es dort gab, nur zehntausend1 am Leben geblieben. Was nun von all dem würden unsere Gegner in ihrer unlogischen Art, unter der wir zu leiden haben und auf die wir uns einlassen müssen, nicht der christlichen Religion zuschreiben, wenn sie derlei in den christlichen Zeiten vor sich gehen sähen? Aber ihren Göttern schreiben sie diese Verheerungen beileibe nicht zu; sie bestehen vielmehr deshalb auf deren Verehrung, damit sie die jetzigen, doch geringeren Übel nicht zu ertragen bräuchten, während jene größeren gerade die zu ertragen hatten, von denen damals die Götter noch verehrt wurden.

1: Nach anderen Handschriften: zehn.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger