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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
3. Buch

3. Auch der Ehebruch des Paris kann den Zorn der Götter nicht erregt haben, da sie ja selbst miteinander Ehebruch begingen.

Es ist also keine Berechtigung zu der Annahme vorhanden, daß die Götter, die angeblichen „Stützen des Reiches“1 , als sie der Übermacht der Griechen erlagen, den Trojanern ob ihrer Eidbrüchigkeit gezürnt hätten. Ebensowenig hat der Ehebruch des Paris2 , wie manche zur Entschuldigung der Götter vorbringen, ihren Groll erregt und sie bestimmt, Troja im Stich zu lassen. Liegt es ihnen doch viel näher, zu Sünden anzureizen und anzuleiten als sie zu strafen. „Die Stadt Rom“, sagt Sallust3 , „wurde, wie ich vernommen habe, erstmals gegründet und besetzt von den Trojanern, die als Flüchtlinge unter Anführung des Äneas ohne festen Sitz umherirrten“. Hätten also die Götter den Ehebruch des Paris strafen zu sollen geglaubt, so hätten sie für dieselbe Schandtat noch mehr oder doch auch die Römer strafen müssen, weil die Mutter des Äneas4 einen solchen beging. Aber wie hätten sie an Paris eine Schandtat verabscheuen sollen, die sie an ihrer Genossin Venus nicht verabscheuten, den Ehebruch meine ich [um mich auf dieses eine zu beschränken], den sie mit Anchises beging und dessen Frucht Äneas war? Etwa deshalb, weil sich Menelaos über jene Schandtat entrüstete, während zu dieser Vulcanus ein Auge zudrückte? Die Götter sind nämlich, denke ich, nicht eifersüchtig auf ihre Gemahlinnen, so wenig, daß sie sich nichts daraus machen, sie auch mit Menschen zu teilen. Aber vielleicht macht man geltend, es seien nur Fabeln, gegen die ich meinen Spott kehre, und ich behandle eine so gewichtige Sache nicht ernst genug. Gut, so wollen wir annehmen, wenn es beliebt, Äneas sei nicht der Sohn der Venus. Ich bin damit einverstanden, nur darf man dann auch den Romulus nicht für einen Sohn des Mars ausgeben wollen. War er dies, warum sollte nicht Äneas der Sohn der Venus gewesen sein? Oder dürfen zwar Götter mit sterblichen Weibern, nicht aber sterbliche Männer mit Göttinen geschlechtlichen Umgang pflegen? Es wäre doch eine harte oder vielmehr unglaubliche Bestimmung, die der Venus in ihrer eigenen Rechtssphäre das verwehrt, was nach dem Rechte derselben Venus dem Mars in geschlechtlichem Umgang erlaubt war. Indes das eine wie das andere hat bei den Römern Billigung gefunden. Denn ebenso wie in alten Zeiten Romulus den Mars für seinen Vater hielt, hat in neueren Zeiten Cäsar die Venus für seine Ahnfrau gehalten.

1: Verg. Aen. 2, 352.
2: Mit Helena, der Gemahlin des Menelaos.
3: Cat 6, 1.
4: Aphrodite [Venus], die Gemahlin des Vulcanus, war von Anchises Mutter des Äneas.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger