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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
2. Buch

8. Die Götter werden durch die Bühnenspiele, in denen ihre Schändlichkeiten öffentlich vorgeführt werden, nicht beleidigt, sondern versöhnt.

Aber diese Dinge werden ja gar nicht im Götterdienste überliefert, sondern in den Fabeln der Dichter. – Ich will nicht behaupten, daß die Mysterien schandbarer seien als die Theaterspiele; aber das behaupte ich – und wer es leugnen wollte, wird von der Geschichte überführt – daß eben die Spiele, zu denen die Fabeleien der Dichter den Stoff bilden, nicht in blindem Eifer von den Römern bei ihrem Götterdienste eingeführt worden sind, sondern daß die Götter selbst durch strengen Befehl, fast möchte man sagen durch Erpressung, es dahingebracht haben, daß sie ihnen feierlich abgehalten und zu ihren Ehren geweiht wurden; ich habe das schon im ersten Buche1 kurz berührt. Bei Überhandnahme der Pest nämlich wurden die Bühnenspiele auf Anordnung der Opferpriester erstmals in Rom eingeführt. Wie sollte man nun für die Lebensführung nicht eher das als Richtschnur betrachten, was bei den auf göttlichen Befehl eingesetzten Spielen in lebendiger Handlung vor Augen gestellt wird, als das, was in papiernen Gesetzen steht, die Menschenwitz ersonnen und verkündet hat? Wenn die Dichter fälschlich den Jupiter als Ehebrecher hinstellten, so hätten keusche Götter doch wohl zürnen und strafen sollen deshalb, weil solcher Frevel in Spielen gemimt wurde, nicht aber deshalb, weil man das unterließ. Und da handelt es sich noch um die erträglicheren unter den Spielen, um Komödien und Tragödien nämlich, d. h. um Aufführungen von Dichterfabeln, die zwar inhaltlich genug des Schändlichen enthalten, aber doch nicht, wie vieles andere, in schandbaren Ausdrücken verfaßt sind; um Dichterfabeln, die auch bei den sogenannten edlen und freien Studien von den Knaben auf Befehl der Älteren gelesen und gelernt werden.

1: Kap. 32.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger