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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
2. Buch

5. Die Göttermutter ließ sich von ihren Verehrern mit Abscheulichkeiten ehren.

Keinenfalls diese Leute, die an der Gewohnheit schandbarer Laster, statt ihr entgegenzutreten, vielmehr Gefallen finden, sondern wiederum Nasica Scipio, der als der beste Mann vom Senate bezeichnet wurde, der das Bildnis eben jenes Dämons1 in Empfang genommen und in die Stadt gebracht hat, möchte ich zum Richter in dieser Sache haben. Er würde uns sagen, ob er wünschte, seine Mutter möchte sich solche Verdienste um den Staat erworben haben, daß ihr göttliche Ehren zuerkannt würden, wie ja bekanntlich die Griechen und die Römer und andere Völker solche manchen Sterblichen zuerkannt haben, deren Verdienste um das Gemeinwesen sie besonders hoch schätzten und die sie der Unsterblichkeit teilhaftig und unter die Zahl der Götter aufgenommen glaubten. Selbstverständlich würde er seiner Mutter womöglich ein solches Glück wünschen. Wenn wir ihn aber weiter fragten, ob er einverstanden wäre, daß an göttlichen Ehren für sie auch solche Schändlichkeiten gefeiert würden, würde er nicht laut dagegen protestieren und versichern, seine Mutter liege ihm lieber ohne alle Empfindung im Grabe, als daß sie als Göttin zu dem Zweck fortlebe, um derlei mit Freuden anzuhören? Es ist undenkbar, daß ein Senator des Römervolkes, der ein solches Zeugnis seiner Gesinnung abgelegt hat, wie es die Verhinderung des Theaterbaues in der Stadt eines männlichen Volkes ist, seine Mutter in der Art verehrt wissen möchte, daß man ihr als Göttin durch Ausdrücke huldigte, die sie als ehrbare Frau verletzen müßten. Um keinen Preis würde er glauben, daß sich die Schamhaftigkeit einer tugendhaften Frau durch das Hinzutreten des göttlichen Charakters so gänzlich ins Gegenteil verkehre, daß ihre Verehrer sie anrufen dürften unter Ehrenbezeugungen, über die für sie bei ihren Lebzeiten, wenn dergleichen als Schmähungen gegen irgend jemand geschleudert worden wären, ihre Angehörigen, ihr Gemahl und ihre Kinder erröten müßten, wenn sie sich nicht die Ohren zuhielte oder davoneilte. Also eine Göttermutter, wie sie selbst der schlechteste Mann nicht zur Mutter haben möchte, verlangte nach dem besten Mann, da sie sich der Herzen der Römer bemächtigen wollte, und verlangte nach ihm, nicht um ihn durch Lehre und Beistand dazu zu machen, sondern um ihn durch Trug zu täuschen, ähnlich wie die, von der geschrieben steht: „Ein Weib fängt der Männer kostbare Seelen“2 , damit dieser groß veranlagte Geist, durch das scheinbar göttliche Zeugnis geschmeichelt und sich wirklich für den besten haltend, nicht nach der wahren Frömmigkeit und Religion verlange, ohne die jedes, auch noch so preiswürdige Genie in Hochmut verfällt und zugrunde geht. Nur in tückischer Absicht konnte diese Göttin nach dem besten Manne verlangen, da sie ja in ihrem Dienste nach Dingen verlangt, wie sie beste Männer auch nur bei ihren Gastmählern heranzuziehen verabscheuen.

1: Vgl. oben I. 30.
2: Prov. 6, 26; von der Hure ist die Rede.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger