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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
1. Buch

24. In der Tugend, die den Regulus vor Cato auszeichnet, überragen noch weit mehr die Christen.

Unsere Gegner sind nicht damit einverstanden, daß wir den heiligen Mann Job, der lieber so entsetzliche Leiden erdulden als durch Selbstmord aller Pein überhoben sein wollte, oder andere Heilige auf Grund unserer durchaus glaubwürdigen und durch die erhabenste Autorität ausgezeichneten Schriften, solche nämlich, die lieber feindliche Gefangenschaft und Herrschaft über sich ergehen lassen, als freiwillig in den Tod gehen wollten, über ihren Cato stellen; aber auf Grund ihrer eigenen Schriften will ich den Nachweis führen, daß gerade eben Regulus über M. Cato zu stellen sei. Denn Cato hat Cäsar niemals besiegt; er hielt es nach seiner Niederlage unter seiner Würde, ihm unterworfen zu sein und entschied sich dafür, durch Selbstmord der Unterwerfung zuvorzukommen; Regulus dagegen hatte die Punier bereits besiegt und hatte als römischer Feldherr für die römische Herrschaft nicht einen beklagenswerten Sieg über Bürger, sondern über auswärtige Feinde einen rühmlichen Sieg davongetragen; nachmals jedoch von ihnen besiegt, wollte er lieber ihre Herrschaft auf sich nehmen, als sich ihnen durch den Tod entziehen. Demnach hat er sowohl unter der Herrschaft der Karthager Geduld als auch in seiner Liebe zu den Römern Standhaftigkeit bewahrt und weder den gebrochenen Leib seinen Feinden, noch die ungebrochene Gesinnung seinen Bürgern vorenthalten. Auch war es nicht Liebe zum irdischen Dasein, was ihn vom Selbstmord zurückhielt. Das hat er dadurch bewiesen, daß er mit Rücksicht auf Versprechen und Eid ohne jedes Bedenken zu den Feinden zurückkehrte, denen er doch eben im Senat mit Worten heftiger als im Krieg mit den Waffen zugesetzt hatte. Und so hat sich dieser großartige Verächter des irdischen Daseins, indem er sein Leben, weit entfernt, es sich selbst zu nehmen, wütenden Feinden zur Vernichtung unter beliebiger Marter darbot, ohne Zweifel zu der Überzeugung bekannt, daß der Selbstmord ein großes Verbrechen sei. Unter all ihren ruhmeswürdigen und durch ausgezeichnete Tugend berühmten Männern bringen die Römer keinen besseren auf; ihn hat das Glück nicht verdorben, denn trotz dem großen Siege blieb er ganz arm, noch hat ihn das Unglück gebrochen, denn in die schweren Todesqualen begab er sich unverzagt. Wenn also so tapfere und berühmte Männer, Verteidiger des irdischen Vaterlandes und Verehrer der Götter, zwar falscher Götter, aber doch nicht heuchlerische Verehrer, vielmehr ihrem Schwure treu bis in den Tod, wenn sie, die besiegte Feinde nach Krieges Brauch und Recht töten konnten, von ihren Feinden besiegt sich nicht töten wollten und, obwohl sie den Tod durchaus nicht fürchteten, lieber die Herrschaft der Sieger über sich ergehen ließen als freiwillig in den Tod gehen wollten, wie vielmehr werden sich die Christen, Verehrer des wahren Gottes, sehnsuchtsvoll dem überirdischen Vaterland zugewandt, von solchem Frevel enthalten, wenn Gottes Anordnung sie auf eine Zeit zur Prüfung oder Besserung ihren Feinden unterstellt, ohne daß doch in solcher Erniedrigung der sie verließe, der um ihretwillen sich in die Erniedrigung begab, er, der Höchste, umso weniger als keine Befugnis irgend einer militärischen Gewalt oder ihres eigenartigen Kriegsdienstes sie zwingt, ihrerseits den überwundenen Feind zu töten. Wie konnte also ein so schlimmer Irrtum einschleichen, daß ein Mensch Selbstmord begehen dürfe, weil sich ein Feind an ihm versündigt hat oder damit sich ein Feind nicht an ihm versündige, da er nicht einmal wagt, den Feind, der an ihm gesündigt hat oder sündigen will, zu töten?

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger