Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Tertullian († um 220) - Über die Seele. (De anima)

44. Cap. Der angebliche Vorfall mit Hermotimus.

Aber Hermotimus? –— Er hatte, wie man sagt, während des Schlafes keine Seele; sie verliess bei dieser Gelegenheit, da der Mensch gleichsam nichts zu thun hatte, den Körper. Seine Ehefrau hat dies verraten. Feinde, die ihn schlafend fanden, verbrannten ihn als tot. Später kam die Seele zurück und musste sich nun, vermute ich, den Mord zuschreiben. Des Hermotimus Mitbürger, die Klazomenier, trösteten ihn durch Errichtung eines Tempels; kein Weib betritt ihn wegen des Vorwurfs, den die Ehefrau trifft. Wozu soll dies dienen? Damit die Leichtgläubigkeit, da es leicht ist, gemeinhin den Schlaf für eine Entfernung der Seele zu halten, sich nicht auf dieses Beispiel mit Hermotimus stütze. Es war eine Art bedeutend schwereren Schlafes, wie man sich das Alpdrücken denkt oder jenen Mangel an Gesundheit, den Soranus, das Alpdrücken verwerfend, an dessen Stelle setzt, oder es war etwas wie das Leiden, das auch den Epimenides zum Gegenstand einer Mythe machte, der beinahe fünfzig Jahre im Schlaf befangen war. Sueton erzählt in betreff des Nero und Theopompus in betreff des Thrasymedes, sie hätten niemals geträumt, Nero höchstens bei seinem letzten Ende nach seinen Angstanfällen. Wie, wenn es nun bei Hermotimus auch so war und die tiefe Ruhe der Seele, die sich nicht in Träumen thätig zeigte, für Abwesenheit gehalten wurde? Man müsste eher alles andere annehmen als eine derartige Freiheit der Seele, sich ohne Eintritt des Todes entfernen zu können, und zwar regelmässig und beständig. Wollte man dagegen dergleichen einen einmaligen Vorfall nennen, etwa eine Sonnen- oder Mondfinsternis der Seele, dann allerdings würde ich mir einreden lassen, dass es etwas von Gott Gewirktes sei. Es hat Sinn und Verstand, dass der Mensch von Gott durch den Schlag eines augenblicklichen Todes gemahnt oder geschreckt werde wie durch einen raschen Blitzstrahl, wenn es nicht näher läge, für einen Traum zu halten, was eher hätte einem Wachenden zustossen müssen, wenn es nicht noch eher für eine Faselei gehalten werden müsste.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . 36. Cap. Die gesc...
. . 37. Cap. Die Gebu...
. . 38. Cap. Über ...
. . 39. Cap. Der Teuf...
. . 40. Cap. In welcher ...
. . 41. Cap. Macht ...
. . 42. Cap. Auch ...
. . 43. Cap. Die Mein...
. . 44. Cap. Der ange...
. . 45. Cap. Über ...
. . 46. Cap. Über ...
. . 47. Cap. Die Trä...
. . 48. Cap. Auch ...
. . 49. Cap. Ob alle ...
. . 50. Cap: Über ...
. . 51. Cap. Es bleibt ...
. . 52. Cap. Der Tod,...
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger