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Tertullian († um 220) - Über die Seele. (De anima)

41. Cap. Macht und Wirkungen der Erbsünde in der Menschenseele.

[S. 352] Das Böse in der Seele, abgesehen von dem Bösen, was durch das Dazwischentreten des bösen Geistes noch hinzukommt, hat mithin infolge der Sünde des Ursprungs den Vortritt, gewissermassen als eine Natureigentümlichkeit. Denn die Verderbnis der Natur ist, wie gesagt, zur andern Natur geworden; sie hat ihren Gott und Vater, nämlich den Urheber der Verderbnis selbst, doch so, dass in ihr immer noch jenes Urgute der Seele, jenes göttliche, echte und im eigentlichen Sinne natürliche Gute wohnt. Denn, was von Gott herrührt, wird nicht sowohl ausgelöscht als vielmehr nur verdunkelt. Es kann verdunkelt werden, weil es nicht selbst Gott ist; es kann aber nicht ganz ausgelöscht werden, weil es von Gott ist.

Und so also, gleichwie das Licht bei irgend einem Hemmnisse an sich zwar unbehindert bleibt, aber doch keinen Schein gibt, wofern die Dichtigkeit des Hemmnisses gross genug ist, in gleicher Weise bleibt auch das vom Bösen überwältigte Gute in der Seele; je nach Beschaffenheit des ersteren verbirgt es entweder sein Licht gänzlich, oder dasselbe erglänzt bei erlangter Freiheit, sobald die Gelegenheit gegeben ist, wieder. So sind manche sehr schlecht oder sehr gut, aber trotzdem gehören alle Seelen einer Gattung an. So ist auch an dem Schlechtesten immer noch irgend etwas Gutes und an dem Besten ein wenig Böses. Denn Gott allein ist ohne Fehl, und der einzige Mensch ohne Fehl ist Christus, weil Christus auch Gott ist. So bricht das Göttliche in der Seele auch in der Form von Weissagungen durch, infolge ihrer vormaligen Güte, und das Wissen um Gott tritt als ein Zeugnis hervor: „Der gute Gott, Gott sieht es” und „Ich empfehle es Gott”. Deshalb ist keine Seele ohne Schuld, weil keine ohne den Keim des Guten. Sodann, wenn sie zum Glauben gelangt, wenn sie durch die zweite Geburt aus dem Wasser und aus der höheren Macht wiederhergestellt und der Schleier ihrer früheren Verderbtheit weggezogen ist, so erblickt sie ihr eigenes Licht in seiner Vollständigkeit. Sie wird dann in Empfang genommen vom heiligen Geiste, sowie dies bei der ersten Geburt vom unheiligen Geiste geschah. Der Seele, die sich dem Geiste vermählt, folgt der Leib nach als ein zu ihrer Mitgift gehöriger Leibeigener, der nicht mehr Diener der Seele, sondern des Geistes sein will. O Vermählung voll Glückseligkeit, wenn keine eheliche Untreue vorfällt!

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger