Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Tertullian († um 220) - Über die Seele. (De anima)

39. Cap. Der Teufel stellt der Seele von der Geburt an nach.

Alle diese Gaben, die der Seele von der Geburt an zuerteilt sind, sucht der, für welchen sie bei Anbeginn ein Gegenstand des Neides waren, auch jetzt zu verdunkeln und zu verderben, damit sie nicht Gegenstand einer grössern Vorsorge oder so angewendet werden, wie es sich gehört. Denn wo wäre ein Mensch, dem sich nicht der böse Geist, der von der Schwelle der Geburt an die Seelen zu fangen sucht, zugesellte, eingeladen vielleicht sogar noch auf irgend eine Weise durch all den Aberglauben, der bei den Entbindungen geübt wird? So werden ja alle unter Anwendung von Idololatrie zur Welt geboren, indem schon der Mutterleib selbst, umwunden mit Binden, die in der Nähe der Idole verfertigt wurden, bekennt, dass die Dämonen auf seine Frucht ein Anrecht haben, indem bei der Entbindung die Rufe: Lucina und Diana ausgestossen werden, die ganze Woche hindurch der Juno ein Tisch gedeckt wird, am letzten Tage die Fata Scribunda angerufen werden und das erste Stellen des Kindes auf die Erde der Göttin Statina geheiligt ist. Wer gelobt nicht sodann das ganze Haupt seines Kindes dem Frevel,1 oder nimmt nicht ein Haar, zerschneidet es mit dem Rasiermesser, weiht es zu einem Opfer und besiegelt es mit einer Weihe, entsprechend der Devotion der Gens, der Ahnen, der öffentlichen oder Privatverehrung.

So hatte der dämonische Geist den Sokrates schon als Knaben ausfindig zu machen gewusst. So werden allen Kindern Genien beigegeben, welches die Bezeichnung einer Art Dämonen ist. Also fast keine Geburt bleibt rein; denn sie ist heidnisch. Darum sagt der Apostel, dass, wenn beide Geschlechter geheiligt seien, Heilige daraus hervorgehen,2 sowohl infolge eines Vorrechtes ihres Samens als auch der Anleitung zur Sittlichkeit. Sonst würden sie, sagt er, als Unreine geboren werden, gleich als wollte er die Kinder der Gläubigen als zur Heiligkeit und darum auch als zum Heile bestimmt angesehen wissen, um die Ehe, welche er beizubehalten vorgeschrieben hatte, durch das Unterpfand dieser Hoffnung in Schutz zu nehmen. Im übrigen ist er des Ausspruches des Herrn eingedenk geblieben: „Wenn jemand nicht geboren werden wird aus dem Wasser und [S. 351] dem hl. Geiste, so wird er nicht eingehen in das Reich Gottes,”3 d. h. er wird kein Heiliger sein.

1: D. i. dem Götzendienste.
2: I. Kor. 7, 14.
3: Joh. 3, 5.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . 31. Cap. Schwieri...
. . 32. Cap. Dass ...
. . 33. Cap. Zu sagen, ...
. . 34. Cap. Verspottung ...
. . 35. Cap. Karpokrates ...
. . 36. Cap. Die gesc...
. . 37. Cap. Die Gebu...
. . 38. Cap. Über ...
. . 39. Cap. Der Teuf...
. . 40. Cap. In welcher ...
. . 41. Cap. Macht ...
. . 42. Cap. Auch ...
. . 43. Cap. Die Mein...
. . 44. Cap. Der ange...
. . 45. Cap. Über ...
. . 46. Cap. Über ...
. . 47. Cap. Die Trä...
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger