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Tertullian († um 220) - Über die Seele. (De anima)

36. Cap. Die geschlechtliche Verschiedenheit empfangen die Seelen gleichzeitig mit ihrer Entstehung.

Zu diesen abschweifenden Erörterungen sind wir nach meinem Dafürhalten von dem Punkte aus gelangt, zu welchem wir nunmehr wieder zurückkehren müssen. Wir hatten festgestellt, dass der Keim der Seele in einem Menschen und durch einen Menschen gelegt werde, und dass von Uranfang ein bestimmter Same dafür existiere, sowie auch für das Fleisch, und zwar für den gesamten Schwarm der Menschheit. Dies war, wohlgemerkt, geschehen wegen der entgegenstehenden Meinungen der Philosophen, Häretiker und jenes alten Gespräches bei Plato. Jetzt setzen wir die Reihenfolge der daraus sich ergebenden Verhandlungen fort.

Die Seele empfängt, nachdem ihr Same im Mutterschoosse in gleicher Weise wie beim Fleisch gelegt ist, in gleicher Weise wie das Fleisch auch ihr Geschlecht, so dass in Sachen des Geschlechtes keine von beiden Substanzen aufgehalten ist. Denn wenn für die eine oder andere Substanz bei der Empfängnis irgend ein Zwischenraum in der Samenlegung zulässig wäre und entweder das Fleisch oder die Seele zuerst ausgesäet würde, so müsste es geschehen, dass sie der andern Substanz ihr besonderes Geschlecht vorschriebe, infolge der Zwischenzeit nach der Samenlegung, und es würde entweder der Leib der Seele oder die Seele dem Leibe die geschlechtliche Eigentümlichkeit aufdrücken, weil ja auch Apelles, nicht der Maler, sondern der Häretiker, indem er männliche und weibliche Seelen vor den Leibern annimmt, wie er von seiner Philumena erfahren hatte, den Leib als das spätere sein Geschlecht von der Seele empfangen lässt. Diejenigen hingegen, welche die Seele erst nach der Geburt in den Leib gelangen lassen, als in das zuerst Gebildete, die lassen durch den Leib der Seele die männliche oder weibliche Geschlechtseigentümlichkeit vorgeschrieben werden.

Allein die ungesonderten Samenkeime beider Substanzen und deren gleichzeitige Zusammenschüttung erheischen es auch, dass die Erteilung der Geschlechtseigentümlichkeit gemeinsam erfolge, je nachdem der Plan der Natur, welcher es auch immer sei, seine Grundlinien gezeichnet hat. [S. 347] Sicherlich gibt sich auch hier die uranfängliche Regel zu erkennen, indem das männliche Wesen schneller gebildet wird — denn Adam war früher da, — das weibliche aber ein wenig langsamer; denn Eva war die Spätere. Somit war sie lange Zeit hindurch eine gestaltlose Fleischmasse, als welche sie aus der Seite Adams entnommen wurde; ein lebendes Wesen aber war auch sie schon, weil ich auch in jener Zeit in ihr einen Teil von Adams Seele als ihre Seele anerkenne. Sonst, wenn sich im Weibe nicht ein Ableger der Seele so gut wie des Leibes aus Adam befunden hätte, würde auch sie durch den Hauch Gottes belebt worden sein.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger