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Tertullian († um 220) - Über die Seele. (De anima)

3. Cap. Die Philosophie ist die Mutter der Häresien auch im Punkte der Seelenlehre. Über den Ursprung der Seele wird hier nicht gehandelt werden, da derselbe bereits erörtert ist.

Wenn doch die Notwendigkeit, dass es Häresien gebe,1 damit die Bewährten an den Tag kommen, lieber nicht vorhanden wäre! Dann hätten wir mit den Philosophen, den Patriarchen der Häretiker, um mich so auszudrücken, überhaupt gar nichts über die Seele zu verhandeln. Denn es hat der Apostel schon damals in der Philosophie eine Gefährdung der Wahrheit erblickt; er hatte nämlich an Athen die Stadt [S. 292] der Zungenfertigkeit kennen gelernt, und nachdem er alle die, welche dort Weisheit und Beredsamkeit auskramten, durchgekostet hatte, da beschloss er jenen bekannten Mahnruf.2

Ähnlich verhält es sich nämlich auch mit der Seele infolge der philosophischen Lehren von Leuten, die dem Wein Wasser beimischen. Die einen leugnen die Unserblichkeit der Seele, die andern behaupten, sie sei mehr als unsterblich; andere streiten über ihre Substanz, andere über ihre Form, andere über jegliche Eigenschaft; diese leiten ihren Zustand anderswoher ab, jene lassen sie bei ihrem Ausgang in etwas Anderes übergehen, je nachdem entweder Platos Ehre, Zenos Kraft, des Aristoteles Konsequenz, Epikurs Eingebungen, Heraklits Tiefsinn oder des Empedokles Wahnsinn den Ausschlag gibt.

Am Ende hat die göttliche Lehre gar einen Fehler gemacht, dass sie aus Judäa und nicht vielmehr aus Griechenland gekommen ist. Auch Christus hat darin gefehlt, dass er die Fischer eher zum Predigen aussandte als den Sophisten.3 Wird nun in dieser Weise irgendwo das reine Himmelblau der Wahrheit durch den Nebel der Philosophie verdunkelt, so werden die Christen die Pflicht haben, es wieder aufzuhellen, indem sie einerseits die entstandenen Deduktionen, d. i. die der Philosophen, niederschlagen, andererseits ihnen die himmelentsprossenen Lehren, d. h. die des Herrn, entgegensetzen, damit alles, wodurch sich die Heiden von der Philosophie fangen lassen, zerstört, und alles, wodurch sich die Gläubigen von den Häretikern bethören lassen, abgewiesen werde.

Da nun der eine Streitpunkt, der gegen Hermogenes, wie eingangs bemerkt, bereits erledigt ist, da wir die Entstehung der Seele aus dem Hauche Gottes, nicht aus Materie behaupten und hierin durch die nicht verdunkelbare Regel einer Entscheidung Gottes geschützt sind, nämlich die: „Gott hauchte den Hauch des Lebens in das Antlitz des Menschen und es wurde der Mensch zu einer lebendigen Seele”,4 natürlich durch den Hauch Gottes, so ist über diesen Punkt nichts weiter zu entwickeln. Er hat seinen Titel und seinen Häretiker. Hinsichtlich der übrigen Punkte will ich hier mit der Einleitung beginnen.

1: I. Kor, 11, 19.
2: Kol. 2, 8.
3: Paulus ist gemeint.
4: I. Mos. 2, 7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger