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Tertullian († um 220) - Über die Monogamie. (De monogamia)

4. Cap. Die Stammeltern gingen nur eine einmalige Ehe ein. Weitere Analogien dafür aus der h. Geschichte.

Doch lassen wir nun jede Erinnerung an den Paraklet als an eine uns besonders zugehörige Autorität bei Seite; schlagen wir statt dessen die gemeinschaftlichen Bücher der früheren Bibel auf! Wir beweisen daraus eben das, dass die Praxis der Monogamie weder neu noch fremd, dass sie vielmehr die alte und gerade die eigentliche Praxis der Christen sei, so dass man in dem Paraklet eher ihren Wiederhersteller als ihren Urheber erkennen sollte. Was das Alter betrifft, welche ältere Gestaltung lässt sich wohl aufweisen, als der Uranfang des Menschengeschlechtes selbst? Gott erschuf für den Mann nur ein weibliches Wesen, indem er eine von seinen Rippen wegnahm, und zwar eine von mehreren. Auch in den einleitenden Worten zu dieser Handlung sagt er: „Es ist nicht [S. 458] gut, dass der Mensch allein sei; wir wollen ihm eine Gehülfin schaffen.”1 „Gehülfinnen” würde er gesagt haben, wenn er eine Mehrheit von Weibern für ihn bestimmt hätte. Er hat auch ein Gesetz in betreff der Zukunft beigefügt; denn es heisst prophetisch: „Und sie werden zwei sein zu einem Fleische”,2 nicht aber zu zwei oder zu mehreren, sonst wären sie schon nicht mehr zwei, wenn mehrere. Das Gesetz hatte Bestand. Und so blieb denn die Einzigkeit der Ehe erhalten bei den Stammeltern bis zum Ende, nicht aus dem Grunde, weil keine andern Weiber da waren, sondern weil keine dazu da waren, dass die Uranfänge des Menschengeschlechts durch ein doppeltes Eheband befleckt würden. Im übrigen aber, wenn Gott gewollt hätte, so hätten sie auch da sein können. Adam hätte sie dann natürlich aus der Zahl seiner Töchter genommen; da Eva, die er zu seiner Frau hatte, ebenso gut aus seinem Fleisch und Bein war, so hätte er das in aller Frömmigkeit thun können. Aber nachdem das erste Verbrechen, der Mord, im Brudermord seinen Anfang genommen, hatte kein Verbrechen so viel Anspruch auf die zweite Stelle als die Doppelheirat. Denn es macht keinen Unterschied, ob jemand die zwei Gattinnen einzeln hat oder zu gleicher Zeit, da eine und noch eine zwei ausmachen. Die Zahl der Verbundenen und wieder Getrennten ist dieselbe. Nachdem die Anordnung Gottes durch Lamech einmal gewaltthätig verletzt worden war, blieb es dabei bis zum Untergang jenes Volkes. Ein zweiter Lamech trat nicht auf, als der zwei Weibern vermählte. Was die hl. Schrift nicht berichtet, stellt sie in Abrede.3 Andere Gottlosigkeiten riefen die Sündflut hervor; sie wurden einmal bestraft, wie gross sie auch waren, aber nicht 77mal, wie es die Doppelehe verdiente.4 Auch die Wiederherstellung des zweiten Menschengeschlechts steht da mit der Monogamie als Mutter. Wieder unternehmen es zwei, in einem Fleische zu wachsen und zahlreich zu werden: Noë und sein Weib sowie ihre Söhne in einmaliger Ehe. Sogar bei den Tieren selbst findet sich die Monogamie; nicht einmal die Tiere sollten aus Hurerei geboren werden. „Von allen Tieren”, heisst es, „sollst du aus allem Fleisch je zwei mit in die Arche nehmen, auf dass sie mit dir am Leben bleiben, ein Männchen und ein Weibchen; es sollen auch von den geflügelten Tieren da sein nach ihrer Art, und von allen kriechenden Tieren nach ihrer Art; je zwei von allen sollen eingehen zu dir, ein Männchen und ein Weibchen”. Nach demselben Grundsatz befiehlt Gott auch, dass je sieben Paare auserlesen werden sollen, immer ein Männchen und ein Weibchen.5 Was soll ich weiter Worte verlieren? auch dem unreinen Geflügel des Himmels war es nicht erlaubt, mit zwei Weibchen einzugehen.

1: I. Mos. 2, 18.
2: Ebend. [I. Mos. 2] v. 24.
3: Eine extreme Behauptung.
4: I. Mos. 4, 24.
5: I. Mos. c. 6 u. 7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger