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Tertullian († um 220) - Über die Monogamie. (De monogamia)

17. Cap. Sogar aus dem Heidentum hat man Beispiele von Enthaltsamkeit und Jungfräulichkeit, die den mehrmals verehelichten Christen beschämen dürfen. Schluss.

Sie sind allerdings im Besitze eines glänzenden Privilegiums, welches sie Christus vorlegen können, nämlich im Besitz beständiger Schwäche des Fleisches! Allein es werden über diese Dinge zu Gericht sitzen bereits nicht mehr Isaak, unser monogamischer Vater, nicht Johannes, der Verschnittene um Christi willen, nicht Judith, die Tochter des Merari, noch auch die vielen andern Heiligen. Nein, Heiden pflegen zu unsern Richtern bestimmt zu werden.

Es wird also die Königin von Karthago1 aufstehen und gegen die Christinnen Beschlüsse fassen; sie, die, weil flüchtig im fremden Lande und hauptsächliche Schöpferin einer so grossen Stadt, die Ehe mit einem [S. 479] Könige hätte wünschen dürfen, und doch, um nicht eine zweite Ehe einzugehen, lieber Brand leiden als heiraten wollte.

Ihre Beisitzerin wird eine römische Matrone sein, die, obwohl sie nur durch nächtliche Gewaltthat mit einem andern Manne in Berührung gekommen war, dennoch diese Makel ihres Leibes mit ihrem Blute abwusch, um die Monogamie an ihrer Person durchzuführen.

Es hat auch solche gegeben, die für ihre Männer lieber sterben wollten, als nach dem Tode derselben heiraten. Bei den Idolen dürfen sich jedenfalls nur die Monogamie und die Witwenschaft finden lassen. Der Fortuna muliebris darf nur eine einmal Verheiratete den Kranz aufsetzen, sowie auch der Mater matuta. Der Pontifex maximus und die Gattin des Flamen heiraten nur einmal. Die Priesterinnen der Ceres werden sogar zu Lebzeiten ihrer Männer und mit deren Einwilligung durch eine Art freundschaftlicher Ehescheidung zu Witwen gemacht.

Es gibt sogar solche, die uns im Punkte völliger Enthaltsamkeit werden richten können, die Jungfrauen der Vesta, die der Juno von Achaja, der scythischen Diana und des pythischen Apollo. Auch die Oberwärter des bekannten ägyptischen Stieres können auf Grund ihrer Enthaltsamkeit schon über die Fleischesschwachheit des Christen zu Gericht sitzen.

Schäme dich, du Fleisch, das du Christum angezogen hast! Es sollte dir genug sein, einmal zu heiraten, wozu du von Anfang an geschaffen worden bist und wohin du gegen Ende wieder zurückgerufen wirst. Kehre zum Adam zurück, wenigstens zum ersten, wenn du zum letzten nicht kommen kannst. Einmal nur hat jener vom Baume gekostet, einmal Begierde empfunden, einmal seine Blösse bedeckt, einmal sich vor Gott geschämt, einmal sein Erröten verborgen, einmal wurde er aus dem Paradiese der Heiligkeit ausgeschlossen, einmal hat er seit der Zeit geheiratet. Wenn du in ihm eingeschlossen warst, so hast du damit deine Verhaltungsregel; hast du dich aber zu Christus hinüberbegeben, dann musst du vollkommen sein. Lass uns nun deinen dritten Adam sehen, und zwar einen zweimal beweibten! Dann wirst du das sein dürfen, was du bei diesen beiden nicht sein darfst.

1: Die Beispiele der Dido und Lucretia bedient sich der Autor gern.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger