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Tertullian († um 220) - Über die Monogamie. (De monogamia)

15. Cap. Verteidigung der montanistischen Theorie gegen den Vorwurf der Häresie; sie schränke nur die Freiheit auf das notwendige Mass ein.

Wo ist also unsere1 Herzenshärte, wenn wir uns von denen, die Gottes Willen nicht thun, lossagen? Wo steckt die Häresie, wenn wir die zweite Ehe als verboten, wie Ehebruch beurteilen? Denn was ist denn der Ehebruch anders als eine verbotene Ehe? Es tadelt der Apostel die, welche ein allgemeines Verbot des Heiratens aufstellten, und die, welche den Genuss von Speisen verboten, die Gott geschaffen hat. Wir aber heben ebensowenig die Ehe auf, wenn wir die zweite versagen, als wir die Speisen verdammen, wenn wir häufiger fasten. Beseitigen ist denn doch etwas anderes als bloss einschränken; etwas anderes, das Gebot geben, nicht zu heiraten, und etwas anderes, ein Ziel und Mass für Heiraten festsetzen.

[S. 477] An die, welche uns Herzenshärte vorwerfen oder in dieser Sache Häresie wittern und die Schwachheit des Fleisches so sehr in Schutz nehmen, dass sie glauben, mehrmaliges Heiraten gestatten zu dürfen, möchte man die Frage richten, warum sie denn das Fleisch nicht auch in dem andern Falle unbehelligt lassen und es nicht durch Nachsicht verhätscheln, wenn es durch Martern zum Verleugnen getrieben worden ist. Jedenfalls könnte doch eher eine Entschuldigung statthaben, wenn man in der Schlacht, als wenn man in der Schlafkammer zum Falle gekommen ist, eher wenn man auf der Folterbank, als wenn man im Bette unterlegen ist, eher wenn man der Grausamkeit, als wenn man der Wollust nachgegeben hat, eher wenn man unter Ächzen und Stöhnen, als unter wollüstigem Grunzen besiegt worden ist. Aber solche Leute verstösst man aus der Gemeinschaft, weil sie nicht bis zum Ende ausgehalten haben, diese nimmt man auf, als hätten sie bis zum Ende ausgeharret. Nimm an, dass sie beide nicht bis zum Ende ausgeharret haben, und du wirst die Sache dessen besser bestellt finden, der die Grausamkeit, als dessen, der die Ehrbarkeit nicht zu ertragen vermochte. Trotzdem aber gereicht die Schwachheit des Fleisches nicht einmal bei der Apostasie zur ausreichenden Entschuldigung, wo es sich doch um Blut und Leben handelt, geschweige denn bei der, wo Unehrbarkeit ins Spiel kommt.

1: Der Montanisten.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger