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Tertullian († um 220) - Über die Monogamie. (De monogamia)

14. Cap. Wenn diese Auffassung der Aussprüche des Apostels nicht stichhaltig wäre, so bliebe doch noch als letzter und entscheidender Grund für die Monogamie der, dass der Paraklet das neue Gesetz vervollkommnet hat, wie Christus das alte.

Auch wenn der Apostel dem Gläubigen die absolute Freiheit erteilt hätte, nach Verlust ihrer Ehegatten zu heiraten, dann hätte er nur ebenso gehandelt, wie auch in den übrigen Fällen, wo er gegen seine gewöhnliche Regel, den Zeitverhältnissen Rechnung tragend, etwas vornahm; wenn er z. B. den Timotheus beschneiden liess wegen der eingeschlichenen falschen Brüder, und einige mit geschorenem Kopfe in den Tempel gehen lies wegen der Aufpasserei der Juden — er, derselbe, welcher die Galater wegen ihrer beabsichtigten Beobachtung des Gesetzes tadelte. Aber so forderte es die Wirklichkeit und das Leben, dass er allen alles würde, um alle zu gewinnen, sie in sich wiedergebärend, so lange, bis Christus in ihnen hergestellt sein würde; sie erwärmend, wie eine Amme, da sie Kinder im Glauben waren, sie belehrend in einigen Stücken durch Nachgeben, nicht durch Gebote, — denn etwas anderes ist gestatten, etwas anderes ist befehlen. — In derselben Weise gab er ihnen zeitweilig die Freiheit, noch einmal zu heiraten, wegen der Schwäche des Fleisches, wie Moses es mit dem Scheidebrief gemacht hatte, wegen der Herzenshärte. Hier wollen wir noch die letzte Ergänzung dieses Gedankens geben. Wenn Christus also zurücknahm, was Moses vorgeschrieben hatte, weil es von Anfang an nicht so gewesen, und wenn darum doch die Macht, in der Christus auftrat, nicht für eine andere gehalten werden durfte, warum sollte nicht auch der Paraklet hinwegnehmen können, was Paulus in seiner Nachsicht noch gestattet hat? Denn auch die zweite Ehe war nicht von Anfang an da. Darum darf man ihn noch nicht für verdächtig ansehen, als sei er ein fremdartiger Geist; nur muss das, was er einführt, Gottes und Christi würdig sein. Wenn es Gottes und Christi würdig war, die Herzenshärte nach erfüllter Zeit zu bändigen, warum sollte es nicht Gottes und Christi noch viel mehr würdig sein, die Schwäche des Fleisches abzuwenden, da die Zeit bereits bedrängter ist? Wenn es recht ist, die Ehe nicht zu trennen, so ist es sicher auch anständig, sie nicht zu wiederholen. Daher wird beides von den Weltleuten als Beweis von hoher Sittlichkeit angesehen, das eine als Beweis von ehelicher Eintracht, das andere von Wohlanständigkeit. [S. 476] Die Herzenshärte hat die Herrschaft gehabt bis auf Christus, mag dann auch die Schwäche des Fleisches geherrscht haben bis auf den Paraklet! Das neue Gesetz beseitigte den Scheidebrief — es fand etwas zu beseitigen, — die neue Prophezie beseitigt die zweite Ehe, welche ebenso sehr ein Scheidebrief der ersten ist. Allein die Herzenshärte hat sich mit grösserer Leichtigkeit Christo ergeben, als die Schwäche des Fleisches es thut. Diese steift sich noch fester auf Paulus, als jene auf Moses, wofern man es nämlich eine Berufung nennen kann, wenn sie sich an den Apostel hält, da wo er Nachsicht zeigt, hingegen seine Vorschriften ablehnt, seine höhere Anschauung und bleibende Willensmeinung in den Wind schlägt und uns nicht gestatten will, dem Apostel das zu leisten, was er lieber will. Wie lange wird nun diese so unverschämte Fleischesschwachheit noch fortfahren das Bessere zu bekämpfen!? Ihre Zeit war, bis der Paraklet anfing zu wirken. Der Herr hat ihm das reserviert, was man damals nicht tragen konnte, was jetzt aber nicht tragen zu können für jeden unanständig ist, weil der gekommen ist, der die Kraft zum Tragen verleiht. Wie lange wollen wir dem Fleisch die Schuld geben auf Grund des Ausspruches des Herrn: „Das Fleisch ist schwach”!? Hat er doch die Worte vorausgeschickt: „Der Geist ist willig”, damit das Schwache dem Stärkern weiche. Denn er sagt auch: „Wer es fassen kann, der fasse es”, d. h., wer es nicht kann, der trete zurück. So trat zurück jener Reiche, der die Vorschrift, seine Habe unter die Armen zu verteilen, nicht erfasst hatte und vom Herrn seiner Ansicht überlassen wurde. Darum darf die Herzenshärte nicht Christo auf Rechnung gesetzt werden, da sie ein Mangel im freien Willen eines jeden einzelnen ist. „Siehe,” heisst es, „ich habe dir vorgelegt das Gute und das Böse”;1 wähle, was gut ist; wenn du nicht kannst, weil du nicht willst, — dass du kannst, wenn du nur willst, ist darin angedeutet, dass beides deinem freien Willen vorgelegt wird — so musst du von dem zurücktreten, dessen Willen du nicht thust.

1: V. Mos. 30. 15.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger