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Tertullian († um 220) - Über die Monogamie. (De monogamia)

13. Cap. Die Aussprüche des Apostels, II. Tim. [lies: I. Tim.] 5, 11 ff. und Röm. 7, 2—6, seien im Sinne dieser Monogamie zu verstehen.

Aber in seinem Briefe an Timotheus wünscht doch der Apostel, dass die jungen Weibspersonen heiraten, Kinder haben und die Familienmütter machen?!1 Er wendet sich damit an solche, wie er sie früher bezeichnet hat, junge Witwen, die, in ihrer Witwenschaft zum Glauben berufen, eine Zeit lang Freier gehabt haben und, nachdem sie Christus liebgewonnen, nachher doch noch gern heiraten wollen. Sie trifft das Urteil, dass sie ihrem ersten Glauben untreu geworden sind, nämlich jenem, von welchem sie in der Witwenschaft gefunden wurden und den sie bekannt haben, ohne auszuharren. — Er will deswegen, dass sie heiraten, damit sie ihrem ersten Glauben nach angetretener Witwenschaft nicht nachher untreu werden, nicht aber, damit sie so vielmal heiraten, als man ihnen in ihrer Witwenschaft Anträge macht, oder besser, so oft als man an ihnen Gefallen findet und sie Lust haben, nicht zu widerstehen. Wir lesen auch, dass er im Briefe an die Römer schreibt: „Das Weib aber, welches unter dem Manne steht, ist an den Mann gebunden, so lange er lebt; wenn er aber stirbt, so ist sie vom Gesetze des Mannes befreit”.2 Folglich wird sie, wenn sie sich bei Lebzeiten ihres Mannes mit einem andern Mann verbindet, für eine Ehebrecherin gehalten werden. Wenn aber ihr Mann stirbt, so ist sie von dem Gesetze befreit, weil sie nicht Ehebrecherin mit einem andern Mann geworden ist. Betrachte aber auch das folgende, wodurch jene Auffassung, die dir zusagt, hinschwindet: „So sterbet denn auch Ihr, o Brüder, dem Gesetze durch den Leib Christi, damit Ihr eines andern werdet, nämlich dessen, der von den Toten auferstanden ist, damit wir Früchte bringen für Gott. Denn als wir im Fleische waren, da wurden die sündhaften Leidenschaften, die eine Folge des Gesetzes sind, hervorgebracht in unsern Gliedern, um Früchte des Todes zu bringen. Jetzt aber sind wir durch den Tod befreit vom Gesetze, in welchem wir befangen waren, um Gott zu dienen in dem neuen Geiste und nicht in dem alten Buchstaben, nämlich dem des Gesetzes.”3 Wenn Paulus uns also dem Gesetze absterben heisst durch den Leib Christi, welcher die Kirche ist, die sich auf den neuen Geist, nicht auf den alten Buchstaben des Gesetzes gründet, indem er das Gesetz von dir nimmt, welches der Frau nach dem Tode ihres Mannes nicht verwehrt, einem andern Manne anzugehören, so bringt er dich auf den entgegengesetzten Zustand [S. 475] zurück, d. h. auf den, dass du auch nach dem Verlust deines Mannes, durch den Tod, nicht mehr heiraten darfst. So wenig du, wenn man noch nach dem Gesetze handeln dürfte, für eine Ehebrecherin gehalten würdest, wenn du nach dem Tode deines Mannes einem andern Mann angehörest, so sehr verdammt er dich nun — bei veränderter Sachlage — von vornherein als Ehebrecherin, wenn du nach dem Tode deines Mannes einen andern heiratest. Weil du dem Gesetze bereits abgestorben bist, kann dir diese Freiheit nicht mehr gestattet sein; denn du bist vom Gesetze, unter welchem es dir gestattet gewesen wäre, zurückgetreten.

1: II. Tim.[lies: I. Tim.] 5, 11—15.
2: Röm. 7, 2.
3: Ebend. [Röm.] 7, 4—6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger