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Tertullian († um 220) - Über die Monogamie. (De monogamia)

12. Cap. Dass die Vorschrift der Monogamie nicht für die Bischöfe und den Klerus allein gelte, folge aus der Analogie der übrigen, an den Klerus gestellten sittlichen Anforderungen.

Da vernehme ich1 eine höchst verfängliche Gegenbeweisführung. Der Apostel hat in der Weise, sagt man, die Wiederholung der Ehe gestattet, dass er einzig denjenigen, welche zum Klerus gehören, das Joch der Monogamie auferlegte. Denn, was er nur einigen vorschreibt, das schreibt er nicht allen vor. — Dann hat er also auch wohl, was er allen vorschreibt, bloss den Bischöfen allein nicht vorgeschrieben; wenn er, was er den Bischöfen vorschreibt, nicht auch allen vorschreibt? Oder hat er es nicht vielmehr gerade darum allen vorgeschrieben, weil auch den Bischöfen? Und darum den Bischöfen, weil auch allen? Woher kommen denn Bischöfe und Klerus? Kommen sie nicht aus der Allgemeinheit? Wenn also die Verbindlichkeit zur Monogamie nicht eine allgemeine ist, woher sollen denn die Monogamischen für den Klerus kommen? Oder soll vielleicht etwa ein besonderer Stand von Monogamischen errichtet werden, [S. 473] aus welchem die Auswahl und Aufnahme in den Klerus geschieht? Ja, wenn es gilt, sich zu erheben und aufzublasen gegen den Klerus, dann wollen wir alle gleich sein, dann wollen wir alle Priester sein, weil Christus uns „alle zu Priestern für Gott und den Vater gemacht habe”.2 Wenn wir aber aufgefordert werden, uns in der Disziplin den Priestern gleich zu stellen, dann legen wir unsere Infuln ab und wollen nicht ihnen gleich sein.

Es handelte sich aber um die kirchlichen Stände, was für Leute zu ordinieren seien. Es musste also die ganze Form der allgemeinen kirchlichen Sittenzucht mit ihrem wahren Angesicht hervorgekehrt werden, gewissermassen als das künftige Edikt für alle mit Nachdruck hingestellt werden,3 damit das Volk wisse, dass es die Ordnung einhalten müsse, die zum Vorsteher tauglich macht, und damit nicht einmal sogar auch der höhere Stand sich etwas herausnehme in bezug auf die Freiheit, etwa wie infolge eines Vorrechtes. Der hl. Geist hat wohl vorausgesehen, dass manche sagen würden: „den Bischöfen ist alles erlaubt”, sowie dann auch euer wohlbekannter Uticenser Herr sich nicht einmal aus dem Scantinischen Gesetze etwas gemacht hat. Denn so viel Digami bei euch Vorsteher sind, sie alle spotten sicherlich des Apostels oder erröten doch ganz gewiss nicht, wenn jene Stelle in ihrer Gegenwart vorgelesen wird.4 Wohlan denn, wenn du glaubst, dass die Ausnahme hinsichtlich der Monogamie nur für die Bischöfe gemacht sei, so verzichte auch auf die übrigen Titel deiner Disziplin, welche mit der Monogamie zugleich den Bischöfen vorgeschrieben werden. Du brauchst also nicht untadelhaft, massig, wohlgesittet, anständig, gastfrei, lehrfähig zu sein, dafür aber kannst du dem Wein ergeben, schlagfertig und streitbar sein, das Geld lieben; ferner regiere dein Haus nicht gut, kümmere dich nicht um die Sittenzucht der Kinder; verlange auch keinen guten Namen bei denen, die draussen sind,5 denn wenn die Bischöfe ihr besonderes Gesetz hinsichtlich der Monogamie haben, so wird auch das übrige, was zur Monogamie hinzukommen muss, nur für die Bischöfe geschrieben sein. Den Laien aber, als welchen die Monogamie nicht zukommt, ist auch das übrige fremd. So bist du, Psychiker, wenn du Lust hast, sämtlichen Banden der Sittenzucht glücklich entschlüpft. Bleibe getreulich bei der Prozesseinrede, was einzelnen vorgeschrieben ist, [S. 474] ist nicht allen vorgeschrieben, oder wenn die übrigen Vorschriften allgemein waren, so ist die Monogamie dagegen nur den Bischöfen auferlegt. Verdienen vielleicht etwa auch bloss die den Namen Christen, denen die Moral in ihrer ganzen Ausdehnung auferlegt ist?

1: Audi ohne den Namen des Angeredeten will mir nicht Tertullianisch vorkommen. Ich vermute, es müsse hier heissen: Audio.
2: Apokal. 1, 6, u. [lies: Apokal. 5], 10. Im folgenden muss mit den alten Ausgaben gelesen werden impares. Pares, wenn auch besser bezeugt, ist ganz gegen Sinn und Zusammenhang.
3: Die Lesarten sind hier unsicher: impressione scheint am meisten verbürgt. Öhler verweist auf Apol. c. 5 inpressit, ich füge noch hinzu Apol. 18 de pall. 4, de res. 52, de pudic. 14 etc. Wozu er aber den Dativ impressioni setzt, kann ich nicht einsehen.
4: D. h. wenn die obige Stelle I. Kor. 7 beim Gottesdienst zur Vorlesung kommt. Man scheint also hie und da die Vorschrift des Apostels nicht beachtet und Digami ordiniert zu haben.
5: I. Tim. 3, 2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger