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Tertullian († um 220) - Über das Fliehen in der Verfolgung. (De fuga in persecutione)

9. Cap. Die Apostel ermahnen in ihren Schriften nirgends zur Flucht, aber oft zur Standhaftigkeit. Dasselbe thut der Paraklet.

Alle Lehren wurden nach der Anweisung Gottes von den Aposteln vorgetragen, alle Vorschriften des Evangeliums von ihnen wiederholt. Kannst du mir die Stellen zeigen, wo sie die Vorschrift, von Stadt zu Stadt zu fliehen, wieder erneuert haben? Sie hätten es auch nicht einmal vermocht, etwas ihrem eigenen Thun so Entgegengesetztes zu statuieren und die Flucht zu empfehlen, während sie selbst meistens von Gefängnissen und Inseln aus, wo sie nicht der Flucht, sondern des Bekenntnisses des Namens wegen festgehalten wurden, an die Gemeinden schrieben. „Paulus befiehlt, die Schwachen zu ertragen“,1 natürlich dann doch solche, welche nicht auf der Flucht sind. Denn wie sollten Abwesende ertragen werden können? Etwa in Geduld? Er sagt, man soll sie tragen, wenn sie irgendwie durch ihre Schwachheit im Glauben Anstoss gegeben haben, sie trösten als kleinmütige Leute, nicht aber sie auf die Flucht schicken. [S. 389] Aber auch da, wo er ermahnt, „dem Bösen nicht Raum zu geben“,2 will er nicht zur Flucht raten, sondern Mässigung im Zorne lehren, und wenn er sagt, „man soll die Zeit auskaufen, weil die Tage böse seien“,3 so will er, dass wir nicht durch Flucht, sondern durch einen weisen Wandel Ausstand gewinnen. Im übrigen, wenn er uns leuchten heisst „als Kinder des Lichtes“,4 so heisst er uns nicht fliehen und uns verstecken wie Kinder der Finsternis. Er schreibt uns vor, unbeweglich fest zu stehen, also nicht auf unsteter Flucht zu sein, und „gegürtet“;5 letzteres etwa zur Flucht oder zur Bereitschaft des Evangeliums? Er zeigt uns auch die Waffen.6 Waffen wären aber für Flüchtige nicht notwendig. Darunter befindet sich auch der Schild, womit Ihr die Pfeile des Teufels auslöschen könnt, also ohne Zweifel dann, wenn Ihr widersteht und alle seine Gewalt herankommen lasst. Sodann lehrt auch Johannes, sein Leben hinzugeben, sogar für die Brüder, also nicht allein für den Herrn.7 Das kann aber von Ausreissern nicht erfüllt werden. Endlich eingedenk seiner Offenbarung, worin er das Ende des Furchtsamen vernommen hatte, gibt er seinerseits nach seinem Dafürhalten die Ermahnung, die Furcht abzulegen: „Furcht“, sagt er, „ist nicht in der Liebe“,8 sondern „die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht, weil die Furcht Qual hat“ — sicher nämlich das Feuer des Pfuhles —, „wer also fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe“ — Gottes nämlich.9 Nun weiter, wer flieht sonst vor der Verfolgung, als wer fürchtet? Wer fürchtet sich, als nur der, welcher nicht liebt.

Vollends, wenn du den Geist10 befragst, was billigt der Geist mehr in seinem bekannten Ausspruche? Er ermahnt, sozusagen, alle zum Martyrium, keinen zur Flucht. Um auch seiner zu erwähnen, so sagt er: „Du wirst öffentlich beschimpft; das ist dir gut; denn wer nicht vor den Menschen so beschimpft wird, der wird Schimpf vor Gott haben. Werde nicht verwirrt; die Gerechtigkeit ist es, die dich vor Gericht bringt! Warum wolltest du dich schämen, wo du Lob verdienst? Es geschieht Gewalt, wenn du den Blicken der Menschen ausgesetzt bist.“ Ähnlich heisst es anderswo: „Wünschet nicht in euren Bettchen, bei unglücklichen Entbindungen oder an weichlichen Fiebern von hinnen zu scheiden, sondern im Martyrertum, damit der verherrlicht werde, der für euch gelitten hat.“

1: Röm. 15, 1.
2: Eph. 4, 27.
3: Eph. 5, 16.
4: Eph. 5, 8.
5: Eph. 6, 13, 14.
6: Ebend. [Eph. 6, 13, 14].
7: I. Joh. 3, 16.
8: I. Joh. 4, 18.
9: Ebend. [I. Joh. 4, 18].
10: Den Paraklet des Montanus.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger