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Tertullian († um 220) - Über das Fliehen in der Verfolgung. (De fuga in persecutione)

7. Cap. Andere Stellen der hl. Schrift enthalten direkte Aufforderungen zum Bekennen des Namens des Herrn. Diese können nicht erfüllt werden, wenn die Flucht erlaubt ist.

[S. 387] Sehen wir nun zu, ob auch die übrigen Anordnungen des Herrn mit der immerwährenden Geltung der Vorschrift des Fliehens harmonieren? — Erstens, kommt die Verfolgung von Gott, was soll es dann heissen, dass der Befehl, davor zu fliehen, von dem ausgeht, der sie herbeiführt? Wenn er wollte, dass man ihr entfliehe, so hätte er sie besser gar nicht geschickt, damit es nicht den Anschein gewinne, als würde sein Wille durch ein entgegengesetztes Wollen übertreten. Denn entweder war es sein Wille, dass wir die Verfolgung leiden, oder dass wir ihr entfliehen sollten! War ersteres der Fall, wie kann er wollen, dass wir leiden? Wenn letzteres, wie sollen wir entfliehen? Und welche Wandelbarkeit in den Meinungen, die Flucht zu befehlen, zugleich aber zum Leiden einzuladen, was doch das Gegenteil von Flucht ist! „Wer mich bekannt haben wird, den werde ich auch vor meinem Vater bekennen.“1 — Wie soll der Flüchtling ihn bekennen? Wie kann der Bekenner fliehen? „Wer sich meiner schämen wird, dessen werde ich mich auch vor meinem Vater schämen.“2 — Wenn ich das Leiden vermeide, so mache ich das Bekennen illusorisch. „Glücklich, welche Verfolgung leiden um meines Namens willen.“3 — Unglücklich also, welche geflohen sind und nicht der Vorschrift gemäss gelitten haben. „Wer aushält bis zu Ende, der wird gerettet werden.“4 Also, wenn du mich fliehen heissest, wie kann es dann dein Wille sein, dass ich bis zu Ende aushalte? Wenn eine solche Wandelbarkeit in den Ansichten nicht mit der göttlichen Strenge harmoniert, so ergibt sich auch daraus deutlich, dass die Vorschrift, zu fliehen, wie wir gezeigt haben, nur damals einen vernünftigen Grund hatte.

Allein nun heisst es, Gott hat die Schwachheit einiger vorausgesehen und daher entsprechend seiner Milde ihnen den Hafen der Flucht gezeigt. Ja, er war ja auch nicht imstande, ohne die Flucht, ohne dieses so schändliche, unwürdige und sklavische Mittel, die zu bewahren, deren Schwäche in der Verfolgung ihm bekannt war! Nun aber begünstigt er die Schwachen niemals, sondern verwirft sie stets; denn erstens lehrt er, dass man vor den Verfolgern nicht fliehen, ja sie nicht einmal fürchten dürfe. „Fürchtet euch nicht vor denen, welche den Leib töten, der Seele aber nichts schaden können, sondern fürchtet vielmehr den, welcher den Leib mit der Seele in der Hölle verderben kann.“5 Zweitens, welches Los hat er den Furchtsamen vorherbestimmt? „Wer sein Leben mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert, und wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt und mir nachfolgt, der kann mein Jünger nicht sein.“6 In der Apokalypse schliesslich stellt er den Furchtsamen nicht Flucht in Aussicht, sondern ihren Anteil unter den übrigen Verworfenen, im See des Schwefels und Feuers, welches den zweiten Tod bedeutet.7

1: Matth. 10, 31 [lies: Matth. 10, 32].
2: Mark. 8, 38. Luk. 19. 26 [lies: Luk. 9, 26].
3: Matth. 5, 11.
4: Matth. 10, 22.
5: Matth. 10, 28.
6: Luk. 14, 26.
7: Apok. 21, 8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger