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Tertullian († um 220) - Über das Fliehen in der Verfolgung. (De fuga in persecutione)

4. Cap. Man darf sich der Verfolgung schon aus dem Grunde nicht durch die Flucht entziehen, weil sie etwas von Gott Gewolltes ist.

Da es folglich feststeht, von wem die Verfolgung kommt, so können wir jetzt deine Anfrage vornehmen und schon aus dieser Vorverhandlung den bestimmten Schluss ziehen, dass man vor der Verfolgung nicht fliehen dürfe. Denn, kommt die Verfolgung von Gott, so wird man, was von Gott kommt, durchaus nicht fliehen dürfen; wie sich das denn auch durch zweierlei Ursachen von selbst verbietet, erstens weil man nicht vermeiden darf, und zweitens weil man nicht vermeiden kann, was von Gott kommt. Man darf es nicht vermeiden, weil es etwas Gutes ist; denn was Gott beschlossen hat, muss notwendig etwas [S. 383] Gutes sein. Oder steht etwa deshalb in der Genesis: „Gott sah, dass es gut war“, weil er noch nicht wusste, dass es gut sei, bis er erst zugesehen haben würde? Nein; sondern, um mit diesem Worte anzudeuten, dass das, was Gott beschlossen hatte, gut sei.

Es gibt aber vieles, was von Gott kommt und doch zum Nachteile von irgend jemand ausschlägt. — Mit nichten; da es von Gott kommt, darum eben ist es gut, als etwas Göttliches, Wohlbegründetes. Denn was ist göttlich, und dabei nicht vernünftig, nicht gut? Welches Gute ist nicht göttlich? Wenn es aber der Anschauung dieses oder jenes Menschen dennoch so vorkommt, so ist zu sagen, seine Anschauung ist kein Präjudiz gegen das Wesen der Dinge, sondern das Wesen ist ein Präjudiz gegen seine Anschauung. Denn das Wesen ist immer etwas Gewisses und gibt dem Geiste das Gesetz, das Wesen so aufzufassen, wie es ist. Wofern nun aber, was von Gott kommt, dem Wesen nach gut ist, — denn alles, was von Gott ist, ist gut, weil göttlich, weil vernünftig — wenn es aber den Sinnen dennoch schlecht erscheint, so hat es mit dem Wesen seine Richtigkeit, die Anschauung dagegen ist fehlerhaft. Ihrem Wesen nach etwas sehr Gutes ist die Keuschheit, die Wahrhaftigkeit, die Gerechtigkeit, und doch sind sie für die sinnliche Wahrnehmung Vieler missfällige Dinge. Wird darum etwa der Vorstellung das Wesen zum Opfer gebracht?

So ist denn auch die Verfolgung ihrem Wesen nach etwas Gutes, weil eine göttliche und wohlbegründete Anordnung; dem Sinne derer aber, zu deren Nachteil sie kommt, missfällt sie. Da siehst du, dass, wenn jemand in der Verfolgung sein Heil verliert, auch dieses Übel seinen guten Grund bei Gott hat, so wie, wenn jemandes Seelenheil durch die Verfolgung gefördert wird, auch dieses Glück mit gutem Grunde eintrifft. Es müsste denn etwa sein, dass vor dem Herrn das Zugrundegehen und das Gerettetwerden nach blinder Unvernunft geschähe. Nur in diesem Falle müsste man sagen, die Verfolgung sei ein Übel, während sie doch, selbst ihrer übeln Seite nach, etwas Gutes ist, indem sie aus einem vernünftigen Grunde stattfindet. Wenn so also die Verfolgung in jeder Hinsicht etwas Gutes ist — wir haben ihr Wesen ja festgestellt, — so geht unsere Entscheidung mit Recht dahin: Was gut ist, darf man nicht fliehen, weil es ein Fehler wäre, etwas Gutes zurückzuweisen, und zwar um so weniger, weil es Gott so beliebt hat; ja man kann sie vollends nicht einmal vermeiden, weil sie von Gott kommt, dessen Willen man nicht entfliehen kann. Diejenigen folglich, welche glauben, fliehen zu sollen, machen Gott die Verfolgung als etwas Böses zum Vorwurfe, insofern sie ihr entfliehen, weil sie etwas Böses sei, — denn etwas Gutes sucht niemand zu vermeiden. Oder sie halten sich für stärker als Gott, indem sie glauben, sie könnten noch entkommen, wenn Gott derartige Ereignisse zulassen will.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger