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Tertullian († um 220) - Über das Fliehen in der Verfolgung. (De fuga in persecutione)

11. Cap. Noch weniger als den gewöhnlichen Gläubigen steht den Hirten die Flucht an, den Bischöfen, Priestern und Diakonen.

[S. 391] So muss jeder Knecht Gottes denken und handeln, auch wenn er niedern Ranges ist, um einen höhern erlangen zu können, wenn er durch Ertragen der Verfolgung eine gewisse Stufe erstiegen hat.1 Allein wenn die Autoritäten, d. h. die Diakonen, Priester und Bischöfe selbst fliehen, wie soll der Laie zum richtigen Verständnis des Ausspruches: "Fliehe von Stadt zu Stadt" gelangen können? Wenn die Feldherren also fliehen, wer von den gemeinen Soldaten wird es dann auf sich nehmen, zum Feststehen in der Schlachtreihe zu ermahnen? Ohne Zweifel setzt ein guter Hort sein Leben für seine Schafe ein; so sagte auch Moses, obwohl Christus, der Herr, noch nicht geoffenbart worden, wohl aber an ihm schon vorgebildet war: „Wenn du dieses Volk ins Verderben stürzest, so verdirbt auch mich mit ihm zugleich.“2 Da aber Christus die auf seine Person bezüglichen Vorbilder bestätigt, so ist derjenige ein schlechter Hort, der beim Anblick des Wolfes flieht und ihn seine Herde zerreißen lässt.3 Ein solcher Hort wird von dem Ackerhofe fortgejagt werden; es wird ihm der Lohn für seine Sendung mit Beschlag belegt zur Schadloshaltung, ja, es wird von seinem frühern Eigentum Ersatz für den Schaden, den der Herr erlitten, gefordert werden. „Denn wer hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, dem wird auch das, was er zu haben scheint, noch genommen werden.“4 Ähnlich droht Zacharias: „Erhebe dich, Schwert, gegen die Hirten! Vertilget die Schafe, und ich werde meine Hand auf die Hirten legen.“5 Gleiche Drohungen sprechen auch Ezechiel und Jeremias gegen sie aus, weil sie nicht bloss ungerechterweise von den Schafen zu ihren Mahlzeiten nehmen und so sich vielmehr selber weiden, sondern auch, weil sie die Herden sich zerstreuen und allen wilden Tieren des Feldes zur Beute werden lassen, indem kein Hirt da ist. Das geschieht aber niemals in höherem Grade, als wenn während der Verfolgung die Kirche des Klerus beraubt ist.

Wer sodann auch noch den Geist6 anerkennt, der wird hören, wie er die Flüchtlinge brandmarkt. Wenn es sich nun aber nicht geziemt, dass die Vorsteher der Herde beim Hereinbrechen der Wölfe fliehen, oder vielmehr, wenn dies nicht erlaubt ist — denn der, welcher einen solchen Hirten einen schlechten genannt hat, der hat ihn damit verurteilt, alles aber, was verurteilt ist, das ist ohne Zweifel auch zu etwas Unerlaubtem geworden —, dann also dürfen auch die Vorgesetzten der Kirche in der Verfolgung nicht fliehen. Dürfte übrigens die Herde fliehen, dann brauchte auch der Vorsteher der Herde nicht stehen zu bleiben, da er ohne Grund [S. 392] dastehen würde, um der Herde einen Schutz zu gewähren, dessen sie nicht bedarf, nämlich wegen der Erlaubtheit der Flucht.

1: Die in der Verfolgung Bewährten, die sogenannten Konfessionen, wurden gern zu Klerikern genommen. Vgl. Cypri. Ep. 38—40.
2: II. Mos. 32, 32.
3: Joh. 10, 12.
4: Matth. 13, 12; 25, 29.
5: Zachar. 8, 7.
6: Den montanistischen Paraklet.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger