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Tertullian († um 220) - Über den Leib Christi. (De carne Christi)

24. Cap. Da die Worte der Schrift in betreff der wirklchen Geburt Christi zu klar sind, so greifen die Häretiker in ihrer Verlegenheit sonst zu allerlei nichtigen Ausflüchten.

Was die Schläge angeht, welche Isaias bei Bekämpfung gerade der Häretiker beibringt und insbesondere jene Stelle: „Wehe denen, welche [S. 415] das Bittere süss nennen und die Finsternis Licht“,1 so trifft er damit oben diese Leute, die nicht einmal jene Worte im Lichte ihrer eigentümlichen Bedeutungen festzuhalten wissen, so dass Seele bliebe, was gewöhnlich so genannt wird, Fleisch, was gewöhnlich dafür angesehen wird und Gott der, welcher sonst als solcher gepredigt wird. Marcion vorherschauend, sagt daher der Herr sogar: „Ich bin Gott und ausser mir ist kein anderer.“2 Und wenn er ein andermal sagt: „Vor mir ist kein Gott gewesen“,3 so trifft er damit, Gott weiss, welche Genealogien der valentinianischen Äonen. Der Ausspruch: „Nicht aus dem Blute, noch aus dem Willen des Fleisches oder des Mannes, sondern aus Gott geboren“4 dient als Antwort gegen Hebion, und den Ausspruch: „Wenn auch ein Engel vom Himmel Euch ein anderes Evangelium verkünden sollte als wir, der sei Anathema“5 richtet er gegen den Sohn, wie er ein Produkt der Philumene ist, jener Jungfrau, die sich mit Apelles hielt.

Sicher ist aber, dass, wer die Ankunft Jesu Christi im Fleische leugnet, ein Antichrist ist.6 Wer dessen Fleisch, ohne allen Zusatz, ohne Einschränkung und mit dürrer Bezeichnung seiner Beschaffenheit nur Fleisch nennt, der schlägt allen Streit darüber nieder, sowie derjenige, welcher erklärt, es gebe nur einen Christus, allen Beweisen für einen mehrfachen Christus den Boden entzieht, womit sie Christus zu einer andern Person machen als Jesus ― den, der aus der Mitte der Volksscharen entweicht, zu einem andern als den, der festgehalten wird, und als den, der in der Abgeschiedenheit auf dem Berge, von einer Wolke umhüllt, vor drei Zeugen verklärt wird, die den ordinären und unberühmten einen andern sein lassen als den erhabenen, den, der zagt und zuletzt leidet, einen andern als den, der auferweckt wird, womit sie dann ihr eigenes Auferstehen in einem andern Fleische zu beweisen wähnen.

Doch es ist nur gut, dass derselbe, der gelitten hat, auch vom Himmel wieder kommen, und derselbe, der auferweckt ist, allen erscheinen wird. „Sie werden ihn sehen und wieder erkennen, sie, die ihn durchbohrt haben“, natürlich dasselbe Fleisch, gegen welches sie gewütet haben, ohne welches er nicht er selbst sein, noch erkannt werden kann. Daher mögen sich auch die schämen, welche behaupten, dass der leere Leib, woraus Christus herausgenommen ist, ohne Besinnung, wie eine leere Scheide im Himmel sitze, oder bloss der Leib und die Seele allein, oder auch bloss die Seele allein und das Fleisch schon gar nicht mehr.

1: Is. 5, 20.
2: Is. 45, 5.
3: Is. 46, 9.
4: Joh. 1, 13.
5: Gal. 1, 8.
6: I. Joh. 4, 3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger