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Tertullian († um 220) - Über den Leib Christi. (De carne Christi)

19. Cap. Dass Christus einen pneumatischen Leib gehabt, wie die Häretiker meinen, folgt mit nichten aus Joh. 1, 13.

Was bedeutet also die Stelle: „Sie sind nicht aus dem Blute, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren?“1 [S. 408] Dieser Stelle werde mit mehr Recht ich mich bedienen, nachdem ich die Gegner der Verfälschung derselben überführt habe. Sie behaupten nämlich, es stehe da: „Nicht aus dem Blute, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem des Mannes, sondern aus Gott sind sie geboren“, gleich als ob Johannes damit die vorher von ihm als solche, „die in seinem Namen glauben werden“, Bezeichneten meine, um anzudeuten, sie seien der geheime Same der Verborgenen und Auserwählten, den sie2 in sich aufnehmen. Wie könnte das jedoch der Fall sein, da alle, welche im Namen des Herrn glauben, nach dem gewöhnlichen Gesetze der menschlichen Abstammung, aus dem Blute und dem Willen des Fleisches und des Mannes geboren sind, sogar Valentinus selber?

Es steht mithin die Einzahl da, nämlich in bezug auf den Herrn: „Und er ist aus Gott geboren.“3 Ganz natürlich, weil er das Wort Gottes, mit dem Worte zugleich der Geist Gottes, im Geiste die Kraft Gottes ist, und was Christus sonst noch von Gott hat. Insofern er aber Fleisch ist, stammt er nicht aus dem Blute, auch nicht aus dem Willen des Fleisches oder des Mannes, weil nämlich das Wort durch den Willen Gottes Fleisch geworden ist. Auf das Fleisch nämlich und nicht auf das Wort bezieht sich die formelle Negierung unserer Geburtsweise; denn das Fleisch musste so geboren werden, nicht aber das Wort. Wenn er aber negierte, dass es auch aus dem Willen des Fleisches geboren sei, warum hat er da nicht auch negiert, dass es aus der Substanz des Fleisches geboren sei? Und wenn er auch die Geburt aus dem Blute negierte, so leugnete er ja damit keineswegs die Substanz des Fleisches, sondern nur die Mitwirkung des Samens, welcher bekanntlich die heissen Teile des Blutes enthält, wenn er durch Ausschäumen verändert das weibliche Blut gerinnen macht. Denn durch das Lab steckt im Käse die Macht über die Substanz, die er durch seine Beimischung gerinnen macht, d. h. über die Milch.

Wir sehen also ein, dass damit nur negiert ist, der Herr sei infolge einer geschlechtlichen Verbindung, was unter dem Willen des Mannes und des Fleisches zu verstehen ist, geboren worden, nicht aber ohne Beteiligung eines Mutterschoosses. Und dann, warum schärft er sonst mit solchem Aufwand von Worten ein, das Wort sei nicht aus dem Blute, noch aus dem Willen des Fleisches oder des Mannes geboren, als gerade darum, weil den Leib den er hatte, so war, dass niemand gezweifelt haben würde, dasselbe sei infolge einer Geschlechtsverbindung geboren worden? Wer seine Geburt aus einer Geschlechtsverbindung negiert, der hat damit [S. 409] nicht seine Geburt aus dem Fleische negiert, sondern sie gerade bestätigt, weil er die Geburt aus dem Fleische eben nicht in der Art negiert hat, wie er es mit der Geburt aus einer vorhergegangenen Geschlechtsverbindung that.

Ich bitte Euch um alles in der Welt; wenn der Geist Gottes nicht deshalb in den Mutterschooss herabstieg, um darin Fleisch anzunehmen, warum ist er denn überhaupt in den Mutterschooss herabgestiegen? Pneumatisches Fleisch hätte er ja auch können ausserhalb desselben annehmen, und zwar viel einfacher ausserhalb des Mutterschoosses als innerhalb desselben. Er hat sich ganz zwecklos da hineinbegeben, von wo ihm nichts mit herausgegeben wurde. Allein er stieg eben nicht zwecklos in den Mutterschooss herab. Folglich hat er etwas daraus empfangen. Denn, wenn er nichts daraus empfangen hat, so ist er zwecklos in denselben hinabgestiegen eben dann, wenn er Fleisch von solcher Beschaffenheit anannehmen sollte, wie es nicht das des Mutterschoosses war, nämlich pneumatisches.

1: Joh. 1, 13.
2: Nämlich die Valentinianer.
3: Der Text hat aber wirklich ex deo nati sunt, nicht natus est, wie Tertullian will. Öhler setzt zu Anfang des Capitels natus est statt nati sunt und bezeichnet letztere richtige Lesart als inepte.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger