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Tertullian († um 220) - Über den Leib Christi. (De carne Christi)

18. Cap. Dass Christus ohne Beteiligung eines menschlichen Vaters geboren wurde, war durch seine Gottessohnschaft gefordert. Wenn ihm also die hl. Schrift eine wirkliche Geburt beilegt, so muss sich dies auf seine Geburt aus der Jungfrau beziehen.

Um jetzt eine einfachere Antwort zu geben, sagen wir, eine Geburt des Sohnes Gottes aus menschlichem Samen wäre unpassend gewesen. Denn wäre er in jeder Hinsicht Menschensohn, so wäre er nicht mehr Gottessohn, hätte nichts vor Salomon und nichts vor Jonas voraus gehabt, und man musste ihn sich nach Hebions Meinung vorstellen. Da er nun also bereits Gottes Sohn aus dem Samen Gottes des Vaters, d. h. aus dem Geiste, war, so brauchte er, um Menschensohn zu werden, weiter nichts als Fleisch aus menschlichem Fleische anzunehmen, ohne Hilfe des Samens des Mannes. Denn der Same des Mannes hätte keinen Zweck gehabt bei einem, der aus dem Samen Gottes stammte. Daher konnte er, als er aus der Jungfrau geboren wurde, eine menschliche Mutter haben ohne einen menschlichen Vater, so gut wie er vor seiner Geburt aus der Jungfrau Gott zum Vater haben konnte, ohne eine menschliche Mutter. So ist er also ein Mensch, der mit Gott vereinigt ist, indem er ein mit dem Geist Gottes vereinigter menschlicher Leib ist; Leib ist er ohne Vermittlung des Mannessamens aus einem Menschen, Geist hingegen durch den Samen aus Gott.

[S. 407] Wenn also der Plan und Ratschluss in betreff des Sohnes Gottes dahin ging, dass er aus einer Jungfrau hervorgehen sollte, warum sollte er nicht wirklich aus der Jungfrau den Leib angenommen haben, den er aus der Jungfrau hervorgehen liess? Weil der Leib, den er von Gott annahm, ein anderer ist; denn, behaupten sie, „das Wort ist Fleisch geworden“. Diese Schriftstelle bezeugt aber nur, was Fleisch geworden ist, und es ist keineswegs Gefahr, dass es, Fleisch geworden, alsbald etwas anderes und nicht mehr Wort sei. Ob das Wort aus dem Fleische Fleisch geworden sei oder mit Hilfe des Samens selbst, das soll uns die hl. Schrift sagen.1 Da die Schrift nur sagt, was etwas geworden ist und nicht, woraus es dieses geworden sei, so gibt sie damit zu verstehen, dass es aus etwas anderem, nicht aus dem Samen geworden sei. Wenn aber aus etwas anderem und nicht aus dem Samen, was gäbe es denn schicklicheres, woraus man glauben könnte, dass das Wort Fleisch angenommen habe, als das Fleisch, in welchem es ja auch sein wollte, schon deshalb, weil der Herr selbst ganz formell und bestimmt erklärt hat: „Was im Fleische geboren wurde, ist Fleisch“,2 weil es aus dem Fleische geboren ist. Wenn er aber damit nur die gewöhnlichen Menschen gemeint hat, nicht auch sich selbst, dann mag man allerdings die Menschheit Christi leugnen und behaupten, dass es nicht auf ihn passe. Aber er fährt ja sogleich fort: „Und was aus dem Geiste geboren ist, ist Geist'“, weil der Geist Gott und von Gott geboren ist. — Dieses bezieht sich natürlich um so mehr auf ihn selbst, wenn es auch auf seine Gläubigen geht. Wenn also die letzteren Worte auf ihn gehen, warum nicht auch die vorigen? Denn man kann die Stelle doch nicht spalten und das letzte auf ihn, das erste auf die übrigen Menschen beziehen — wofern man nämlich nicht beide Naturen in Christo, die leibliche und die geistige leugnet. Wenn er aber sowohl Fleisch als Geist hatte, so kann er, wenn er von der Beschaffenheit beider Naturen, die er in seiner Person an sich trug, spricht, nicht bei dem Geiste zwar über seinen Geist, bei dem Fleisch aber nicht über sein Fleisch eine Erklärung abgegeben haben. Da er also selber dem Geiste Gottes entstammt und Gott Geist ist, so ist er selber sowohl Gott und aus Gott geboren, als auch Mensch aus einem menschlichen Fleische im Fleische erzeugt.

1: Das Verständnis dieses Cap. scheint einigen Herausgebern gänzlich gefehlt zu haben, wie die Menge von Korrekturen und Einschiebseln beweisen, womit sie es malträtieren, namentlich das semine ipso.
2: Joh. 3, 6. Die Vulgata hat aber ex carne.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger