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Tertullian († um 220) - Über den Leib Christi. (De carne Christi)

17. Cap. Christus musste aus einer jungfräulichen Mutter seinen Leib annehmen, wie auch schon Isaias vorhergesagt hat.

Doch lassen wir nun den Alexander mit seinen Syllogismen, die er in seinen Beweisführungen herausdrechselt, und mit den Psalmen Valentins, die er mit grosser Unverschämtheit, als rührten sie von einem brauchbaren Verfasser her, einflicht! Richten wir nunmehr den Kampf auf einen einzigen Punkt, auf die Frage, ob Christus seinen Leib aus der Jungfrau erhalten habe, um vorzugsweise dadurch gerade festzustellen, dass er ein menschlicher war, wenn er seine Substanz aus einer menschlichen Mutter bezogen hat. Es ist freilich aus seiner Benennung Mensch, aus dem Zustande seines Wesens, aus dem Empfinden der Behandlung und aus dem Verlauf seines Leidens schon klar genug, dass sein Leib ein menschlicher gewesen ist.

Vor allem aber dürfte hinzuweisen sein auf die Ursache, welche dafür obwaltete, dass der Sohn Gottes aus einer Jungfrau geboren werde. Auf eine neue Art musste der geboren werden, welcher der Urheber einer neuen Geburt werden sollte, von welcher der Herr, nach der Verkündigung des Isaias, ein Zeichen geben wollte. „Siehe, die Jungfrau wird in ihrem Leibe empfangen und einen Sohn gebären.“1 Die Jungfrau empfing also und gebar den Emmanuel, den Gott mit uns. Das ist die neue Geburt, dass ein Mensch in Gott geboren wird. In diesem Menschen wurde Gott geboren, indem er das Fleisch von altem Samen in sich aufnahm, doch ohne die Hilfe des alten Samens, um es kraft eines neuen Samens, d. h. des geistigen, wiederherzustellen und durch Ausschliessung der alten Unreinigkeit zu entsündigen. Dieser neue Vorgang ist, wie in allen Fällen, so auch hier, ganz im alten vorgebildet, indem der Herr kraft besondern Ratschlusses von der Jungfrau als vernünftiger Mensch geboren wurde.

Die Erde war noch jungfräulich, noch nicht durch Bearbeitung gebändigt, noch nicht für die Einsaat urbar gemacht, als Gott aus ihr, — wie uns berichtet wird, den Menschen zur lebenden Seele bildete. Wenn also betreffs des ersten Adam solches berichtet wird, so ist der zweite oder letzte Adam, wie der Apostel sich ausgedrückt hat, mit Recht ebenso aus Erde, d. i. aus einem Fleische, welches noch nicht durch Gebären entsiegelt war, als Leben gebender Geist von Gott hervorgebracht worden. [S. 406] Damit mir jedoch der Name Adam nicht nutzlos in die Feder geflossen sei, stelle ich die Frage, mit welchem Rechte ist Christus vom Apostel ein Adam genannt worden, wenn seine Menschheit nicht irdischen Ursprungs war?

Allein auch hier verlangt der innere Zusammenhang der Sache, dass Gott sein Bild und Gleichnis, welches in des Teufels Gefangenschaft geraten war, durch ein entsprechendes Verfahren wieder befreite. In eine Jungfrau nämlich, was Eva ja noch war, hatte das Wort, welches den Tod bewirkte, Eingang gefunden. Das Wort Gottes, welches das Leben aufrichten sollte, musste ebenfalls in eine Jungfrau eingehen, damit, was durch ihr Geschlecht verloren gegangen war, durch dasselbe Geschlecht wieder zum Heile gelange. Eva hatte der Schlange geglaubt, Maria glaubte dem Gabriel. Was jene durch ihr Glauben sündigte, hat diese durch ihren Glauben wieder gut gemacht. Allein bei Eva erfolgte damals durch das Wort des Teufels keine Empfängnis in ihrem Mutterschoosse. — Mit nichten, sie erfolgte. Nämlich, dass sie von da an Verworfenes gebar, und dass sie in Schmerzen gebar, dazu wurde sie durch das Wort des Teufels befruchtet. Sie hat sogar einen Teufel, einen Brudermörder, geboren. Dagegen hat Maria demjenigen das Leben geschenkt, welcher seinen leiblichen Bruder, Israel, seinen Mörder, endlich noch einmal erretten sollte. Gott hat also sein Wort, den guten Bruder, in einen Mutter-schooss gelangen lassen, damit es das Andenken an den bösen Bruder auslösche. Christus musste zum Heile der Menschen aus dem hervorgehen, wohin der Mensch erst nach seiner Verstossung eingegangen war.

1: Is. 7, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger