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Tertullian († um 220) - Über den Leib Christi. (De carne Christi)

2. Cap. Marcions Art, sich über die Geburt und Kindheit Christi zu äussern. Indem er sie verwirft, verwirft er Dinge, die er früher selbst geglaubt hat, und die richtig sind.

[S. 381] Seine Geburt wird unzweideutig von Gabriel angekündigt, — was aber hat jener Mensch1 mit dem Engel des Schöpfers zu schaffen? Die Empfängnis im Schoosse der Jungfrau wird auch beseitigt. — Was hat er mit Isaias,2 dem Propheten des Schöpfers, zu schaffen? Die Verzögerungen sind ihm verhasst; lässt er doch Christum mit einem Schlage vom Himmel herunterkommen. „Fort mit den beständigen lästigen Schatzungen des Kaisers“, sind seine Worte, „fort mit der überfüllten Herberge, fort mit den schmutzigen Windeln und der harten Krippe! Will die Engelschar ihren Herrn in den Nächten ehren, meinetwegen, die Hirten aber sollten lieber auf ihr Vieh acht geben, und die Magier brauchten sich nicht so weit herzubemühen; ich schenke ihnen ihr Gold! Herodes sollte auch besser sein, damit Jeremias sich nicht rühme.3 Das Kind braucht sich nicht beschneiden zu lassen, damit es keine Schmerzen habe, und nicht zum Tempel getragen zu werden, damit es seinen Eltern nicht mit den Kosten der Darstellung beschwerlich falle, auch braucht es nicht dem Simeon auf die Arme gegeben zu werden, damit der lebensmüde Greis nicht getröstet werde. Das alte Weib kann den Mund halten und braucht den Knaben nicht zu behexen.“4

Ratschläge von dieser Sorte, meine ich, sind es, womit Du, Marcion, dich unterstanden hast, die so zahlreichen authentischen Beweisschriften Christi vernichten zu wollen, damit seine Leiblichkeit nicht bewiesen werden könne. Lass erst einmal Deine Autorisation sehen! Bist Du ein Prophet, so verkündige etwas vorher; bist Du ein Apostel, so predige öffentlich; bist Du ein Apostelschüler, so denke wie die Apostel; bist Du ein blosser Christ, so glaube an die Überlieferung. Wenn Du aber von allem dem nichts bist, so würde ich mit Recht sagen: Stirb! Denn Du bist schon tot, Du, der Du kein Christ bist und den Glauben nicht hast, der zum Christen macht. Du bist umsomehr tot, je weniger Du ein Christ bist, denn Du bist abgefallen, nachdem Du Christ geworden und hast widerrufen, was Du vordem glaubtest, wie Du in einem Deiner Briefe selbst eingestehst, wie die Deinigen nicht leugnen und die Unsrigen es beweisen. Indem Du cassierst, was Du geglaubt hast, bist Du bei dieser Zurücknahme schon kein Gläubiger mehr; dennoch ist Deine Zurücknahme keine rechtmässige, weil Du den Glauben verloren hast.

Nun aber beweisest Du durch Deinen Widerruf gerade, dass es sich vor diesem Widerruf anders verhalten habe. Dein früherer anderer Glaube entsprach der Überlieferung. Was aber auf der Überlieferung beruht, das war das Richtige, weil von denen überliefert, die zum Lehramte berufen [S. 382] waren. Folglich, wenn Du die Überlieferung bekämpftest, so hast Du das Richtige bekämpft. Du hast das ohne Berechtigung gethan. Jedoch das sind Prozesseinreden gegen sämtliche Häresien, deren wir uns vollständiger schon an einem andern Orte bedient haben. Nach denselben ist es eigentlich Überfluss, dass wir uns jetzt in Verhandlungen einlassen, getrieben von dem Verlangen, Rechenschaft darüber zu erhalten, warum Du die Geburt Christi nicht annehmen willst.

1: Marcion.
2: Der 7, 14 die Geburt des Heilandes verkündet.
3: Wegen Erfüllung seiner Weissagung, 31,15.
4: Ich bin des nicht sicher, ob das Citat aus Marcion so weit geht; möglich wäre es, dass Tertullian die Gedankenreihe Marcions weiter fortgesponnen hätte zur Persiflage.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger