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Tertullian († um 220) - Gegen Praxeas. (Adversus Praxeas)

28. Cap. Wenn der, welcher in der hl. Schrift Christus oder der Gesalbte genannt wird, derselbe mit dem Vater wäre, von wem sollte er dann gesalbt worden sein, da er ja der Gesalbte des Vaters ist?

So machst Du denn in Deiner Thorheit Christus zum Vater und verstehst nicht einmal die Bedeutung der Bezeichnung „Christus”, wenn dieselbe nämlich überhaupt ein Name und nicht vielmehr ein Beiname ist; denn sie bedeutet „der Gesalbte”. Gesalbter aber ist so wenig ein Personenname als der Bekleidete, der Beschuhte. Es ist etwas zum Personennamen zufällig Hinzutretendes. Oder würdest Du, falls Jesus aus irgend einer Ursache der Bekleidete genannt würde, wie er vom Geheimnis der Salbung der Gesalbte heisst, dann etwa in gleicher Weise Jesus für den Sohn Gottes ausgeben, den Vater aber für den Bekleideten halten?

Nun denn in betreff Christi: wenn der Christus, der Gesalbte, der Vater ist, so ist er es offenbar durch einen andern geworden. Wäre er es hingegen durch sich selbst geworden, so beweise es! So lehrt aber die Apostelgeschichte nicht in jenem Aufschrei der Kirche zu Gott: „Es [S. 554] haben sich in dieser Stadt alle versammelt gegen Deinen heiligen Sohn, den Du gesalbt hast, Herodes und Pilatus mit den Heiden.”1 Somit hat sie ein Zeugnis dafür abgelegt, dass Jesus der Sohn Gottes, sowie auch dafür, dass der Sohn vom Vater gesalbt worden sei. Also ist Jesus ein und derselbe mit dem Christus, der vom Vater gesalbt worden ist, nicht mit dem Vater, der den Sohn gesalbt hat. So sagt auch Petrus: „Möge das ganze Haus Israel denn auf das festeste erkennen, dass Gott ihm diesen Jesus, den Ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und zum Christus” d. i. zum Gesalbten „gemacht hat”!2 Johannes aber brandmarkt den als einen Lügner, der da leugnet, Jesus sei Christus; dagegen sei jeder aus Gott geboren, der da glaube, Jesus sei Christus.3 Darum ermahnt er uns auch dazu, an den Namen desselben Sohnes, Jesu Christi, zu glauben, damit wir nämlich Gemeinschaft haben mit dem Vater und seinem Sohne Jesus Christus.4 So stellt auch Paulus überall den Vater als Gott hin und Jesum Christum als unseren Herrn. In seinem Schreiben an die Römer dankt er Gott durch unsern Herrn Jesus Christus,5 in dem an die Galater rühmt er sich, Apostel zu sein, nicht von Menschen, noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott den Vater6. Nimm alle seine Schriften, sie sprechen sich in dieser Weise aus und lehren zwei Personen: Gott, den Vater, und unsern Herrn Jesus Christus, den Sohn des Vaters, und dass dieser Jesus selbst mit einem andern Namen der Sohn Gottes, der Christus sei. Daher gehört mit demselben Rechte, wie Beides Name einer einzigen Person ist, nämlich des Sohnes Gottes, auch der eine Name ohne den andern derselben Person an. Wenn bloss „Jesus” dasteht, so ist auch der Christus damit gemeint, weil Jesus der Gesalbte ist, und steht bloss „Christus” da, so ist er derselbe mit Jesus, weil Jesus gesalbt ist. Von diesen beiden Namen ist einer der eigentliche, weil er ihm vom Engel beigelegt wurde, der andere ein zufälliger, weil er infolge der Salbung hinzugekommen ist, wofern nur Christus der Sohn bleibt und nicht Vater ist.

Wie blind endlich ist doch der, welcher nicht einsieht, dass selbst dann, wenn man dem Vater den Namen Christus beilegt, mit dem Namen Christus doch noch auf einen andern Gott hingewiesen werde! Denn wenn Christus Gott der Vater ist, der sagt: „Ich steige zu meinem Vater und zu Eurem Vater auf, zu meinem Gott und Eurem Gott”,7 so zeigt er damit noch auf einen andern Vater und Gott über sich hin. Ebenso, wenn der Vater Christus ist, so gibt es wieder einen andern, der den Donner befestigt, den Geist schafft und den Menschen seinen Christus ankündigt. Und wenn die Könige der Erde zusammentreten und die [S. 555] Herrscher versammelt sind gegen seinen Gesalbten, so würde der Herr ein anderer sein, gegen dessen Gesalbten die Könige und Herrscher versammelt sind. Und wenn es heisst: „So spricht der Herr zu meinem Herrn, dem Gesalbten”, so würde der Herr ein anderer sein, der zum Vater Christi spricht. Und wenn der Apostel schreibt: „Der Gott unseres Herrn Jesu Christi gebe Euch den Geist der Weisheit und der Erkenntniss”, so wäre der Gott Jesu ein anderer, der Geber der geistigen Gnadengaben. Um uns nicht zu weit zu verlieren, so wird der, welcher Christum auferweckt hat, ganz gewiss auch unsere sterblichen Leiber einst auferwecken, aber es würde dann sofort noch einen andern Auferwecker geben, als den gestorbenen Vater und den auferweckten Vater, wofern Christus, der gestorben ist, der Vater wäre.

1: Apostelg. 4, 27.
2: Ebend.[Apostelg.] 2, 36.
3: I. Joh. 2, 22.
4: Ebend. [I. Joh.] 4, 2 und 5, 1.
5: Röm. 1, 8.
6: Gal. 1, 1.
7: Joh. 20, 17.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger