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Tertullian († um 220) - Gegen Praxeas. (Adversus Praxeas)

25. Cap. Fortsetzung.

[S. 548] Nach Darlegung des Vorfalls mit Philippus und des ganzen Gehaltes seiner Frage behält der letzte Teil des Evangeliums dieselbe Sprechweise bei, wonach Vater und Sohn in ihrer Besonderheit unterschieden werden. Der Herr verspricht auch einen Paraklet vom Vater zu erbitten,1 sobald er zum Vater aufgestiegen sein werde und denselben zu senden und zwar „einen andern”. Wie der Ausdruck „einen andern” zu verstehen sei, haben wir oben schon angegeben. „Dieser wird von dem Meinigen nehmen”,2 sagt er weiter, wie er selber von dem, was des Vaters ist, nahm. So führt das Verbundensein des Vaters im Sohne und des Sohnes im Paraklet auf drei Personen, die eine mit der andern zusammenhängen. Diese drei sind eins, nicht „einer” in der Weise wie es hiess: „Ich und der Vater sind eins”, nicht der Einzahl nach, sondern in Einheit der Substanz. Gehe die Schrift noch weiter durch und Du wirst finden, dass der, welchen Du, obwohl er Stellvertreter des Vaters heisst, für den Vater hältst, und von dem Du glaubst, er sei als der Vater selbst Gärtner3 auf Erden gewesen, vom Sohne wiederum als im Himmel befindlich anerkannt wird, indem derselbe dorthin blickend seine Schüler dem Vater übergab.4

Zwar findet sich in diesem Evangelium die Offenbarung nicht, wo es heisst: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen”,5 und: „Vater, in Deine Hände empfehle ich meinen Geist”;6 trotzdem aber hätte er doch nach seiner Auferstehung, in der Herrlichkeit des Sieges über den Tod, nach Ablegung aller Hilflosigkeit und Niedrigkeit jenem so gläubigen Weibe7, die nicht aus Neugierde und Unglauben, wie Thomas, sondern aus Liebe ihn zu berühren versuchte, sich als den Vater offenbaren können. „Berühre mich nicht”, sagte er zu ihr; „ich bin noch nicht zu meinem Vater aufgefahren, aber gehe hin zu meinen Brüdern” — auch darin zeigt er sich als Sohn; denn wenn er der Vater gewesen wäre, so hätte er sie Söhne genannt — „und sage ihnen, dass ich hinaufsteige zu meinem Vater und Euerem Vater, meinem Gott und Euerem Gott.”8 Fährt da der Vater zum Vater und der Gott zu Gott hinauf oder der Sohn zum Vater und das Wort zu Gott? Und zu welchem Zweck bescheinigt er gerade am Schluss des Evangeliums durch sein Siegel diese Urkunde? Nur darum, „damit Ihr glaubt, dass Jesus Christus der Sohn Gottes sei.”9 Wenn Du also gemeint hast, dass Dir irgend etwas daraus zum Beweise der Identität von Vater und Sohn dienen könne, so setzest Du Dich in Widerspruch mit der Schlusssentenz des Evangeliums. [S. 549] Es steht alles nur deshalb geschrieben, damit Du glaubest, Christus sei nicht der Vater, sondern der Sohn.

1: Joh. 14, 16.
2: Joh. 16, 14.
3: Wegen Joh. 15, 1.
4: Joh. 17, 11.
5: Matth. 27, 46.
6: Luk. 23, 46.
7: Der Maria Magdalena. Joh. 20, 11.
8: Joh. 20, 17.
9: Joh. 20, 31.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger