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Tertullian († um 220) - Gegen Praxeas. (Adversus Praxeas)

21. Cap. Stellen aus dem Evangelium des hl. Johannes, woraus sich die Verschiedenheit des Messias und des Sohnes Gottes vom Vater, so wie des erstern Gottheit und besondere Persönlichkeit ergibt.

Sieh' also, wie viele Einreden sich auch aus dem Evangelium gegen Dich erheben, noch vor jener Anfrage des Philippus und aller Deiner Deutelei derselben. Zuerst zeigt Dir gleich die Vorrede des Evangelisten Johannes, was der, welcher Fleisch werden sollte, früher gewesen ist. „Im Anfange war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort, dieses war im Anfange bei Gott, alles ist durch dasselbe gemacht worden und ohne es ist nichts gemacht worden.”1 Wenn man diese Worte nicht anders auffassen darf, als sie lauten, so ergibt sich ohne Zweifel, dass der, welcher von Anfang an war, ein anderer sei, als der, bei dem er war, ein anderer das Wort Gottes, ein anderer Gott selbst — obwohl auch [S. 539] das Wort Gott ist, aber nur insofern es Gottes Sohn ist, nicht der Vater — ein anderer der, durch den alles ist, und ein anderer der, von dem es ist. Wie wir den Ausdruck: „ein anderer” meinen, haben wir schon oft angegeben. Darum wollen wir ihn als einen andern bezeichnen, nicht als denselben,2 als einen anderen, aber vermöge der Ökonomie, nicht als wäre er losgetrennt, nicht infolge einer Teilung. Dieser also ist Fleisch geworden, nicht der, dessen Wort er war. Seine Herrlichkeit wurde sichtbar als die des Eingeborenen vom Vater, nicht als die des Vaters. Er sprach von dem Schoosse des Vaters, nicht der Vater von seinem Schoosse. Es geht nämlich voraus: „Niemand hat Gott jemals gesehen”. Und wenn ihn Johannes als das Lamm Gottes bezeichnet, so wird der nicht selber so bezeichnet, dessen geliebter Sohn er ist. Gewiss ist er immer der Sohn Gottes, aber nicht er selber, dessen Sohn er ist. Als solchen erkannte ihn auch Nathanaël sofort, sowie anderswo Petrus: „Du bist der Sohn Gottes”. Dass sie ihn mit Recht als solchen erkannt hatten, bestätigte er ihnen selber, indem er dem Nathanael antwortete: „Weil ich gesagt habe, ich sah Dich unter dem Feigenbaum, deshalb glaubst Du.”3 Den Petrus aber pries er, weil er auch den Vater geahnt, glücklich, weil nicht Fleisch und Blut es ihm geoffenbart hatte, sondern der Vater, der im Himmel ist.4 Mit diesen Worten unterschied er die beiden Personen, den Sohn auf Erden, den Petrus als den Sohn Gottes erkannt hatte, und den Vater im Himmel, der dem Petrus die Offenbarung gegeben hatte, wodurch derselbe in Christus den Sohn Gottes erkannte.

Als Christus in den Tempel eintrat, nannte er ihn „das Haus seines Vaters”,5 als Sohn. Als er mit Nikodemus redete, sagte er: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahin gegeben, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zu Grunde gehe, sondern das ewige Leben habe.”6 Und wiederum heisst es: „Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesendet, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde; wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet, wer aber nicht an ihn glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht glaubt im Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.”7 Als Johannes gefragt wurde, wie es in betreff Jesu stehe, sagte er: „Der Vater hat den Sohn geliebt und alles in seine Hände gegeben; wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben, wer nicht an den Sohn glaubt, wird Gott nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.”8 Wer war es, den er der Samariterin zeigte?9 War er der Messias, der Christus genannt wird, so zeigte [S. 540] er sich ihr offenbar als den Sohn, nicht als den Vater. Er findet sich auch anderwärts Christus Sohn Gottes genannt, nicht Vater.

Sodann sagte er zu den Jüngern: „Meine Sache ist es, dass ich den Willen dessen thue, der mich gesandt hat, um sein Werk zu vollenden,”10 und zu den Juden in betreff der Heilung des Paralytischen: „Mein Vater wirkt immerfort und ich wirke auch.”11 „Der Vater und ich”, der Sohn, sagt er. Dies war schliesslich der überwiegende Grund, weshalb ihn die Juden töten wollten, nicht sosehr, weil er den Sabbat übertreten, sondern weil er Gott seinen Vater genannt und sich ihm gleich gestellt hatte. Da also sagte er zu ihnen: „Der Sohn kann nichts aus sich selbst thun, wenn er es nicht den Vater thun sieht; denn was dieser thut, das thut der Sohn auch. Denn der Vater liebt den Sohn und hat ihm alles gezeigt, was er gemacht hat, und er hat ihm noch grössere Werke als diese gezeigt, damit Ihr Euch wundert. Wie er nämlich Tote auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen er will. Auch richtet der Vater nicht, sondern hat alles Gericht dem Sohne übergeben, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt auch den Vater nicht, der es ist, der den Sohn gesendet hat. Wahrlich, wahrlich, sage ich euch, wer meinen Vater hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und das Gericht wird ihn nicht erreichen, sondern er geht vom Tode ins Leben ein. Wahrlich, sage ich euch, es wird die Stunde kommen, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören, werden leben. Denn wie der Vater das ewige Leben von sich selbst hat, so hat er auch dem Sohne gegeben, das ewige Leben in sich selbst zu haben, und er hat ihm das Gericht übertragen, um es mit Macht zu halten, weil er Menschensohn ist”,12 durch seine Leiblichkeit nämlich, wie Sohn Gottes infolge seines Geistes. Noch fügt er bei: „Ich aber habe ein höheres Zeugnis als das des Johannes, die Werke nämlich, welche der Vater mir zu vollbringen gegeben hat, diese selbst geben von mir Zeugnis, dass mich der Vater gesandt hat, und der, der mich gesandt hat, der Vater, er selbst hat über mich Zeugnis abgelegt”.13 Indem er zusetzt: „Auch habt Ihr seine Stimme niemals gehört und seine Gestalt niemals gesehen”, bestätigt er die Ansicht, dass es niemals der Vater gewesen ist, der in der Vorzeit gesehen und gehört wurde, sondern der Sohn. Endlich sagt er: „Ich kam im Namen meines Vaters und Ihr habt mich nicht aufgenommen”.14 Also war es immer der Sohn im Namen Gottes, des Königs, des allmächtigen und allerhöchsten Herrn.

Als sie ihn fragten, was sie thun sollten, antwortete er: „Glaubet [S. 541] an den, den Gott gesandt hat”.15 Auch nennt er sich das Brot, das Gott vom Himmel gewährte, daher werde alles, was der Vater ihm gegeben, zu ihm gelangen und er nichts verschmähen, weil er vom Himmel herabgestiegen sei, nicht um seinen, sondern um des Vaters Willen zu thun.16 Der Wille des Vaters aber sei es, dass, wer den Sohn sieht und an ihn glaubt, des ewigen Lebens und der Auferstehung teilhaftig werde. Niemand aber könne zu ihm kommen, wenn der Vater ihn nicht herbeiführe.17 Jeder, der vom Vater gehört und gelernt habe, werde zu ihm gelangen. Er fügt aber auch hier bei, dass niemand den Vater gesehen habe,18 um anzudeuten, dass es das Wort des Vaters sei, wodurch sie belehrt würden. Als sich viele von ihm abwenden, bietet er auch den Aposteln an, ob sie ihn verlassen wollen, und was antwortet Petrus? „Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des Lebens, und wir glauben, dass Du Christus bist”.19 Glaubten sie etwa, dass er der Vater oder dass er „der Gesalbte des Vaters”20 sei?

1: Joh. 1, 1 ff.
2: Die Einschiebung eines zweiten non eundem, die Öhler hier vornimmt, ist nicht angezeigt, höchstens kann ein zweites alium hier gestanden haben oder autem ist in alium zu verändern.
3: Joh. 1, 50.
4: Matth. 16, 17.
5: Joh. 2, 16.
6: Joh, 3, 16.
7: Joh. 3, f. 18 [lies: Joh. 3, 17 f.].
8: Joh. 3, 35 ff.
9: Joh. 4, 25.
10: Joh. 4, 34.
11: Joh. 5, 17.
12: Joh. 5, 19—27.
13: Ebend. [Joh. 5] v. 36 ff.
14: Joh. 5, 43.
15: Joh. 6, 29.
16: Joh. 6, 38.
17: Joh. 6, 44.
18: Joh. 6, 46.
19: Joh. 6, 69 [lies: 68].
20: Joh. 6, 70 [lies: 69].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger