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Tertullian († um 220) - Gegen Praxeas. (Adversus Praxeas)

3. Cap. Thema der Schrift. Die Gegner geben vor, nur bei ihrer Lehre allein könne die Einheit Gottes bestehen. Das Vorhandensein von Sohn und Geist ist aber ebensogut wie das Dasein von Engeln mit der Monarchie verträglich.

Denn alle Einfältigen, um nicht zu sagen, alle Thoren und Unwissenden — und sie bilden immer die Mehrzahl unter den Gläubigen — sind bange vor der sog. Ökonomie, deswegen, weil gerade die Glaubensregel von den vielen Göttern der Heidenwelt auf den einen wahren Gott hinführt, indem sie nicht einsehen, dass man ihn im Glauben zwar als den einzigen erfassen muss, aber eben in seiner Ökonomie. Die Zahl und Ordnung in der Trinität nehmen sie für eine Zerreissung der Einheit, während doch die Einheit, welche aus sich selber die Dreiheit hervorgehen lässt, durch letztere nicht aufgelöst wird, sondern sich bethätigt. Daher [S. 513] kommen sie uns immer damit, wir lehrten zwei oder drei Götter; sich selbst aber geben sie für die Verehrer des einen einzigen aus, als ob nicht auch die Einheit, wenn sie grundlos eingeschränkt wird, zu einer Häresie führte, und die Dreiheit, wenn sie richtig verstanden wird, die Wahrheit enthielte. „An der Monarchie”, ist ihr Ausdruck, „halten wir fest.” So sprechen auch die Lateiner das Wort dem Buchstaben nach richtig aus, und zwar so gemessen, dass man glauben sollte, ihr Verständniss von der Monarchie sei ebenso gut wie ihre Aussprache. Von der Monarchie zu reden befleissigen sich die Lateiner; von der Ökonomie wollen nicht einmal die Griechen etwas verstehen.

Was mich betrifft, so weiss ich, wenn ich von beiden Sprachen einige Kenntnis besitze, dass Monarchie Einzel- und Alleinherrschaft bedeutet; die Monarchie aber schliesst, trotzdem sie einem einzigen zukommt, darum nicht aus, dass der, dem sie zukommt, einen Sohn habe, oder sich selbst zu seinem Sohne gemacht habe, oder endlich dass er seine Monarchie durch irgend welche beliebige Leute verwalten lasse. Im Gegenteil, ich behaupte, keine Herrschaft gehöre so sehr einem einzelnen ausschliesslich an, sei so sehr Monarchie, dass sie nicht auch durch andere Personen verwaltet werden könnte, die sie sich selbst zu Beamten auserkoren hat. Hat aber der, dem die Monarchie gehört, einen Sohn, so wird sie, wenn der Sohn als Mitregent angenommen wird, darum noch nicht gleich gespalten und hört nicht auf, Monarchie zu sein, sondern sie gehört in erster Linie noch ebenso dem an, von welchem der Sohn Anteil daran erhalten hat, und obwohl sie jenem gehört, so ist sie noch ebensogut eine Monarchie, wenn sie von zweien, die in dieser Weise eins sind, besessen wird. Obwohl also die göttliche Alleinherrschaft von so vielen Legionen und Heerscharen der Engel, wie geschrieben steht, ausgeübt wird: „Tausendmal Millionen umstanden ihn, und tausendmal Hunderttausend dienten ihm!”, so hört sie darum doch nicht auf, einem einzigen anzugehören und Monarchie zu sein; denn sie wird durch so viele tausend Kräfte nur besorgt. Was soll man also dazu sagen, wenn behauptet wird, Gott erleide durch seinen Sohn und den hl. Geist, die die zweite und dritte Stelle erhalten und Genossen der Substanz des Vaters sind, eine Teilung und Spaltung, während er doch bei einer solchen Masse von Engeln keine erleidet? Hältst Du vielleicht die aus der Substanz des Vaters hervorgegangenen Glieder, Pfänder und Werkzeuge, sowie die Macht der Monarchie selbst und alles, was dazu gehört, für eine Auflösung derselben? Mit Unrecht. Ich wünschte, dass Du Dich mehr der Bedeutung der Sache als dem Wortlaute anbequemstest! Für eine Auflösung der Monarchie müsste man es ansehen, wenn noch eine andere Herrschaft von besonderer Art und selbständigem Verhalten und darum eine feindliche darübergestellt wird und wenn man dem Schöpfergott mit Marcion noch einen andern gegenüberstellt, oder [S. 514] mit Valentin und Prodikus gar mehrere. Das wäre eine Auflösung der Monarchie und eine Vernichtung des Schöpfers.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger