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Tertullian († um 220) - Gegen Praxeas. (Adversus Praxeas)

18. Cap. Durch die Stelle Is. 45, 5 wird die Gottheit des Sohnes nicht ausgeschlossen, sondern nur eine Mehrheit von Göttern im heidnischen Sinne verneint.

Allein die hl. Schrift ist schuld daran, dass sie diese Anteilnahme des Sohnes an den Namen des Vaters1 nicht begreifen, und setzt sie in Verlegenheit, indem sie zuweilen einen einzigen Gott statuiert, als hätte nicht sie selbst bereits zwei Götter und zwei Herren aufgestellt, wie wir oben gezeigt haben.2 Weil wir finden, dass von zweien und von einem die Rede ist, sagen sie, deshalb sind sie beide einer und derselbe, der Sohn und der Vater. Nun hat es aber damit nichts auf sich und Du brauchst der hl. Schrift nicht mit Deiner Interpretation zu Hilfe zu kommen, damit sie sich nicht widerspreche. Sie hat Recht, sowohl wenn sie einen Gott statuiert, als wenn sie zwei, Vater und Sohn, lehrt, und sie genügt sich selber.

Dass sie den Namen Sohn gebraucht, das steht fest. Sie kann nämlich unbeschadet dieses Sohnes doch Gott, dem dieser Sohn zugehört, für den einzigen erklären. Denn wer einen Sohn hat, hört darum nicht auf, selbst der einzige zu sein, für seinen Teil natürlich, so oft er ohne den Sohn genannt wird. Er wird aber ohne den Sohn genannt, so oft er vorzugsweise als die erste Person hingestellt wird, die dem Namen des Sohnes voranzuschicken ist, weil zuerst der Vater in die Erkenntnis tritt und nach dem Vater erst des Sohnes gedacht wird. Also einziger Gott ist der Vater und „ausser ihm gibt es keinen andern”.3 Obwohl die hl. Schrift selbst das hervorhebt, so stellt sie doch den Sohn nicht in Abrede, sondern jeden andern Gott. Im übrigen ist aber der Sohn, vom Vater aus angesehen, nicht ein anderer Gott.

Siehe Dir endlich noch das an, was auf diese Aussprüche folgt, dann [S. 536] wirst Du finden, dass ihre Erklärungen gewöhnlich nur auf die Verfertiger und Verehrer von Götzenbildern gehen, dass die Einheit der Gottheit der Vielheit der falschen Götter ein Ende macht, und dass dennoch die Einheit einen Sohn hat, der ebensowohl als vom Vater ungeschieden und ungetrennt, als wie im Vater befindlich anzusehen ist, wenn er auch nicht genannt wird. Hätte ihn die Schrift genannt, so hätte sie ihn auch unterschieden und gesagt: Einen andern ausser mir gibt es nicht als meinen Sohn. Als einen andern würde sie nämlich auch denjenigen Sohn hingestellt haben, den sie von den andern ausgenommen hätte. Stelle Dir vor, die Sonne sage: Ich bin die Sonne und eine andere Sonne ausser mir gibt es nicht, als meinen Strahl. Würdest Du eine solche Ausdrucksweise nicht als zwecklos tadeln, weil das klänge, als ob nicht auch der Strahl zur Sonne gerechnet würde? Dass es also ausser ihm keinen andern Gott gebe, das wird nur wegen der Idololatrie der Heiden und Juden gesagt, allenfalls auch wegen der Häretiker, die wie die Heiden mit ihren Händen, so sie mit ihren Reden Götzenbilder verfertigen, indem sie einen zweiten Gott und einen andern Christus lehren. Also auch dann, wenn der Vater sich als den einzigen ankündigt, sorgt er doch für den Sohn, damit man nicht glaube, der Christus komme von einem andern Gotte her, als von dem, der gesagt hat: „Ich bin Gott und einen andern neben mir gibt es nicht,”4 und als von dem, der sich für den Einzigen ausgegeben hat, aber nebst dem Sohne, mit dessen Hilfe er als der Alleinige den Himmel ausspannte.

1: Societas nominum, also zum Teil dasselbe, was die spätere Sprache communicatio idiomatum nannte.
2: Vgl. oben c. 13.
3: Is. 45, 5.
4: Is. a. a. O. [Is. 45, 5].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger