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Tertullian († um 220) - Gegen Praxeas. (Adversus Praxeas)

2. Cap. Schon aus der Glaubensregel allein kann man alle Häresien und auch die des Praxeas im Präskriptionswege abfertigen.

Es wurde also nach Ablauf der Zeiten der Vater geboren; der Vater litt; Gott selber, der allmächtige Herr, wird als Jesus Christus gepredigt. Wir aber glauben allezeit und durch den in alle Wahrheit einführenden Paraklet besser unterwiesen, jetzt, um so fester an den einzigen wahren Gott, jedoch mit der Maassgabe, die wir Ökonomie nennen, dass des einzigen Gottes eigenes Wort, durch welches alles geschaffen wurde und ohne das nichts geschaffen worden ist, auch sein Sohn sei. Dieser wurde vom Vater in die Jungfrau herabgesendet und von ihr geboren als Mensch und Gott, Menschensohn und Gottessohn und ist Jesus Christus genannt worden; er hat gelitten, ist gestorben und begraben, gemäss der hl. [S. 512] Schrift, und vom Vater wieder auferweckt. In den Himmel aufgenommen, sitzet er zur Rechten Gottes des Vaters und wird kommen, zu richten die Lebendigen und die Toten. Er wird sodann seiner Verheissung gemäss vom Vater her den heiligen Geist, den Paraklet, als den Heiligmacher des Glaubens derer senden, die an den Vater, den Sohn und den heiligen Geist glauben.

Dass diese Glaubensregel aus der Entstehungszeit des Evangeliums herrühre, sogar aus der Zeit vor den frühesten Häretikern, gar nicht zu reden von der Zeit vor Praxeas, der erst von gestern ist, dafür dürfte sowohl das Spätersein aller Häretiker überhaupt, als die Neuheit des Praxeas, der erst von gestern ist, insbesondere sprechen. Darum soll schon hier gegen alle Häretiker in gleicher Weise folgendes Präjudiz aufgestellt werden: das Früheste ist immer das Richtige, das Spätere immer das Falsche.

Unbeschadet dieser allgemeinen Prozesseinrede muss man aber doch um der Unterweisung und Befestigung willen überall auch den etwaigen Bedenken mancher Leute Raum geben, damit es nicht den Anschein gewinne, als würden die einzelnen Verkehrtheiten ohne spezielle Prüfung bloss auf vorgefasste Meinung hin verworfen, besonders die in Rede stehende, welche wähnt, die lautere Wahrheit zu besitzen, indem sie glaubt, man könne sich den einzigen Gott nicht anders vorstellen, als wenn man einen und denselben Vater, Sohn und hl. Geist nennt. Das klingt dann so, als wenn er, der eine, nicht auch dann alles wäre, wenn alles aus einem kommt, versteht sich in Folge der Einheit einer Substanz, und als ob nicht trotzdem das Geheimnis der sogenannten Ökonomie gewahrt würde, welches die Einheit in eine Dreiheit zerlegt und drei Personen vorschreibt, den Vater, den Sohn und den hl. Geist; aber drei nicht der Wesenheit, sondern der Stellung nach, nicht der Substanz, sondern der Form nach, nicht der Macht, sondern der Spezies nach, dabei aber von einer Substanz, einer Wesenheit und einer Macht. Denn sie sind nur ein Gott, aus welchem jene Stufen, Formen und Einzelwesen unter dem Namen Vater, Sohn und hl. Geist hergeleitet werden. In welcher Weise dabei ein Zählen ohne Theilung statthaft ist, wird der Verlauf unserer Verhandlung darthun.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger