Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Tertullian († um 220) - Die fünf Bücher gegen Marcion. (Adversus Marcionem)
Drittes Buch

14. Cap. Auch die analogen Stellen in den Psalmen sind nur figürlich und geistig gemeint.

[S. 234] Dieser unserer Auffassung kommt zu statten, dass Du mit Deiner Ansicht, Christus sei, weil die Namen gewisser Waffen und ähnlicher Ausdrücke vorkommen, ein Krieger, durch Heranziehung des übrigen Sinnes widerlegt wirst. Allerdings sagt David: „Gürte Deine Lenden mit dem Schwerte.“ Allein was liesest Du weiter oben von Christus? „Reif bist Du an Schönheit vor den Menschenkindern, Lieblichkeit ist ausgegossen über Deine Lippen.“1 Es kommt mir lächerlich vor, dass man einem, den man mit dem Schlachtschwert umgürtet, wegen der Reife seiner Schönheit und der Lieblichkeit seiner Lippen Schmeicheleien sagt. Ebenso heisst es dann weiter: „Dehne Dich aus, sei glücklich und herrsche“, aber es wird beigesetzt, „um der Wahrheit, Milde und Gerechtigkeit willen.“ Wer aber wollte diese durch das Schwert herstellen? Ist da nicht vielmehr das Gegenteil von List, Roheit und Ungerechtigkeit, den eigentlichen Wirkungen des Krieges? Sehen wir also zu, ob jenes Schwert, dessen Wirkungen so abweichend sind, nicht ein anderes sei! Auch der Apostel Johannes schreibt in der Apokalypse von einem zweischneidigen, sehr scharfen Schwerte, das aus dem Munde Gottes hervorgeht,2 worunter man aber das Wort Gottes zu verstehen hat, das zweischneidig ist wegen der beiden Testamente, des Gesetzes und des Evangeliums, und sehr scharf wegen seiner Weisheit, das gezückt ist gegen den Teufel, das uns wappnet gegen die geistigen Feinde der Bosheit und Begierlichkeit, das uns lostrennt sogar von unseren Freunden wegen des Namens Gottes.

Wenn Du den Johannes nicht anerkannt wissen willst, so ist Paulus noch da, der gemeinsame Lehrer, der unsere Lenden gürtet mit der Wahrheit und dem Panzer der Gerechtigkeit, der uns beschuht mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens, nicht des Krieges, der uns ergreifen heisst den Schild des Glaubens, womit wir all die feurigen Pfeile des Teufels auszulöschen imstande sind, den Helm des Heiles und das Schwert des Geistes, welches da ist, wie er sagt, das Wort Gottes.3 Dieses Schwert auf die Erde zu bringen, nicht den Frieden, ist der Herr selbst gekommen.4

Wenn er Dein Christus ist, dann ist er folglich auch ein Krieger. Ist er kein Krieger, sondern zückt er nur im figürlichen Sinne das Schwert, so wird wohl auch der Christus des Schöpfergottes im Psalm sich ohne kriegerische Thaten mit dem sinnbildlichen Schwert des Wortes gürten dürfen. Mit ihm verträgt sich auch die oben erwähnte Schönheit und Lieblichkeit auf den Lippen, und es war jenes Schwert, womit er damals bereits bei David seine Lenden gürtete und welches er einstens auf die Welt schicken wollte. Denn das soll es heissen, wenn er sagt: „Breite Dich aus, habe Glück und herrsche!“ Ausbreiten thut er sein Wort auf der [S. 235] ganzen Erde zur Berufung aller Völker; glücklich ist er durch Erfolge des Glaubens, womit er aufgenommen wird; regieren thut er von dem Augenblick an, wo er durch seine Auferstehung den Tod besiegt hat. „Und es wird Dich,“ heisst es weiter, „wunderbar geleiten Deine Rechte,“ die Kraft nämlich der geistigen Gnade, wodurch die Erkenntnis Christi herbeigeführt wird. Seine „scharfen Pfeile“ sind die uns überall begegnenden Vorschriften, die Drohungen und Demütigungen des Herzens, die eines jeden Inneres verwunden und durchbohren. „Die Völker werden vor Dir niederstürzen“ — natürlich in Anbetung.

In dieser Weise ist der Christus des Schöpfergottes ein Kriegsheld und Waffenträger, solcher Beute bemächtigt er sich auch jetzt noch, nicht bloss in Samaria, sondern bei allen Völkern. Da Du seine Waffen als allegorische erkannt hast, so siehe auch seine Beute für sinnbildlich an. Also der Herr spricht und der Apostel schreibt in dieser Weise sinnbildlich. Daher machen wir keinen vermessenen Gebrauch von seinen Auslegungen, wovon auch die Gegner Analogien zulassen. Der Christus, welcher erschienen ist, wird also umsomehr der Christus des Isaias sein, je weniger er ein Krieger ist, da er von Isaias nicht als solcher geschildert wird.

1: Ps. 44, 4 u. 3 [=Ps. 45, 4 u. 3].
2: Apok. 1, 5.
3: Eph. 6, 14 ff.
4: Matth. 10, 31.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
Erstes Buch
Zweites Buch
Drittes Buch
. . Mehr
. . 6. Cap. Die Juden verw...
. . 7. Cap. Die Marcioniten ...
. . 8. Cap. Die Lehre Marc...
. . 9. Cap. Ob die Leiber, ...
. . 10. Cap. Es ist kein ...
. . 11. Cap. Marcion hat ...
. . 12. Cap. Marcion wendet ...
. . 13. Cap. Ob und inwiefern ...
. . 14. Cap. Auch die anal...
. . 15. Cap. Der Christus, ...
. . 16. Cap. Mit noch weni...
. . 17. Cap. Das äussere ...
. . 18. Cap. Über den ...
. . 19. Cap. Nachweis, ...
. . 20. Cap. Die Identität ...
. . 21. Cap. In welcher ...
. . 22. Cap. Auch das Wirk...
. . Mehr
Viertes Buch. (Extract)

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger