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Tertullian († um 220) - Die fünf Bücher gegen Marcion. (Adversus Marcionem)
Erstes Buch

14. Cap. Die Marcionitische Geringschätzung der geschaffenen Welt ist heuchlerisch, unwahr und lächerlich.

Wofern Du aber Deinen Spott haben willst über die kleinen Tiere, die der höchste Künstler absichtlich so reichlich mit Fertigkeiten und Kräften ausgerüstet hat, indem er lehrt, dass Grosses sich im Kleinen offenbare, ähnlich wie nach den Worten des Apostels die Tugend in der Schwäche, so bilde doch einmal die Häuser der Bienen, die Gänge der Ameisen, die Netze der Spinnen, die Gewebe der Raupen nach, wenn Du kannst; ertrage und biete den kleinen Tieren, die sich in Deinem Bette und Hause finden, dem Gifte der Wespen, dem Stachel der Mücken, dem Gesumme und Stechen der Schnaken Trotz, wenn Du kannst. Wie wird es Dir erst mit den grösseren Tieren gehen, da Du schon von den kleinen teils Vorteile, teils Nachteile erfährst, um auch im Kleinen den Schöpfer achten zu lernen?!

Endlich besieh Dich einmal selbst rundum, betrachte den Menschen von innen und von aussen! Das ist ein Werk unseres Gottes, das Dir am Ende doch wohl gefallen wird, da es ja Dein Herr, der bessere Gott, so sehr liebte, um seinetwillen sich aus dem dritten Himmel in diese armseligen Elemente herunter bemühte, und seinetwegen in diesem, dem Demiurgen gehörenden Winkel sich sogar kreuzigen liess. Es war ihm bis jetzt noch nicht einmal das vom Demiurgen geschaffene Wasser zu schlecht, um die Seinigen damit abzuwaschen, auch nicht dessen Oel, um sie zu salben, auch nicht dessen Honig und Milch, um die Seinigen damit zu füttern, auch nicht dessen Brot, worin er seinen eigenen Leib gegenwärtig sein lässt. Bei seinen eigenen Sakramenten sogar hat er die Armseligkeiten des Demiurgen nötig. Du aber bist der Schüler, der mehr ist als der Meister, der Knecht, der über dem Herrn steht; Du weisst es besser als er und vernichtest, was er geliebt hat.

Ich hätte Lust, zu untersuchen, ob Du wenigstens dabei ehrlich verfährst und nicht etwa selbst Verlangen nach dem hast, was Du verwirfst. Du bist gegen den Himmel eingenommen; bei deinen Wohnungen aber verlangst Du freie Aussicht. Du verachtest die Erde, aus der Dein Dir verhasster Leib offenbar gebildet ist, und suchst doch alle guten Erzeugnisse derselben auf zu deinem Lebensunterhalte. Du tadelst das Meer, aber nicht seine reichen Producte, die Du sogar als eine heilige Speise empfiehlst. Wenn ich Dir eine Rose hinhalte, so wirst Du vor dem Demiurgen schwerlich noch Ekel empfinden. Du Heuchler Du, um Dich in [S. 147] der Apocarteresis1 als Marcioniten zu bewähren, d. h. als einen Verächter des Demiurgen — denn das ist es, wonach man bei Euch, wenn Euch die Welt so wenig behagt, anstatt des Martyriums streben müsste, — musst Du Dich doch in irgend einen Stoff auflösen und Dich stets des Eigentums des Demiurgen bedienen. Welche Verstocktheit und Hartnäckigkeit! Du setzest herab, was Du zum Leben und Sterben notwendig hast.

1: D. i. freiwilliger Hungertod.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger