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Tertullian († um 220) - Gegen Hermogenes. (Adversus Hermogenes)

5. Cap. Hermogenes will das nicht zugeben und verfällt darum in einen Widerspruch gegen das richtige Denken.

Aber Gott ist doch Gott und Materie ist Materie. — Das wäre, als wenn die blosse Namensverschiedenheit sonstiges Gleichsein verhinderte, auch da, wo der wesentliche Zustand sich als derselbe erweist. Mag die natürliche Beschaffenheit verschieden sein, mag auch die Form nicht die gleiche sein, wenn es sich nur mit der Wesenheit in gleicher Weise verhält. Gott ist ohne Entstehung. Ist es denn die Materie nicht auch? — Gott ist immer. Ist es denn die Materie nicht auch? — Beide sind ja ohne Anfang, beide ohne Ende, beide auch Ursachen des Weltall, sowohl der Erschaffende als auch das, woraus er schuf. Denn man kann nicht umhin, auch der [S. 66] Materie, aus der das Weltall besteht, eine ursächliche Beziehung zu allem beizulegen. Welche Antwort wird Hermogenes nun geben? Die Materie wird darum nicht sofort Gott gleichgestellt, wenn sie etwas göttliches an sich hat; denn da sie es nicht vollständig besitzt, so konkurriert sie nicht zu vollständiger Gleichstellung. — So? Welchen Vorzug hat er denn Gott vor der Materie gelassen und was fehlt noch daran, dass er ihr nicht vollständige Gottheit beigelegt hätte? Schon das, lautet seine Antwort, dass dem lieben Gott selbst bei diesem Verhalten der Materie sein Ansehen und seine Substanz gewahrt bleibt, kraft deren er der einzige und erste Urheber der Dinge ist und als der Herr von allem angesehen wird. Die Wirklichkeit aber fordert, dass Gott in der Weise einzig sei, dass alles, was ihm zukommt, auch für ihn allein in Anspruch genommen werde; denn es wird ihm nur dann zukommen, wenn es ihm allein zukommt, und infolge davon ist die Annahme eines andern Gottes gar nicht möglich, da niemand etwas haben kann, was Gott zugehört. Also, wendet man nun ein, dann haben wir auch nichts von Gott? O doch, wir haben dergleichen und werden es haben, aber von ihm, nicht aus uns selbst. Wir werden sogar Götter sein, wenn wir würdig werden, diejenigen zu sein, von denen es heisst: „Ich habe es gesagt, Götter seid Ihr” und: „Es stand Gott in der Mitte der Götter”,1 jedoch nur infolge seiner Gnade, nicht unseres eigenen Besitzes. Denn er ist es allein, der Götter macht. Zur Eigenschaft der Materie aber macht er, was sie mit Gott gemein hat; oder aber, wenn sie etwas von Gott empfangen hat, was Gott zugehört, ich meine Anteil an der Ewigkeit, so darf man auch glauben, sie habe sie mit Gott gemein, ohne jedoch Gott zu sein. Was soll es aber heissen, wenn Hermogenes sich zu der Ansicht bekennt, sie habe etwas mit Gott gemein, und dabei doch behauptet, das, was er der Materie nicht abspricht, sei Gott allein eigen?!

1: Ps. 82, 1 u. 6. [hebr.: Ps. 82, 6 u. 1].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger