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Tertullian († um 220) - Gegen Hermogenes. (Adversus Hermogenes)

31. Cap. Diese Dinge sind nicht Beweise für das Dasein einer solchen Materie, sondern dienen zur Charakterisierung der ursprünglichen Beschaffenheit des Himmels und der Erde.

Doch man wird auch noch zu der Ausflucht greifen, die hl. Schrift habe in betreff des Himmels und der Erde allein gemeldet, dass Gott sie von Anfang gemacht habe, von den oben genannten Besonderheiten aber nichts der Art gesagt; darum gehören sie, da von ihrer Erschaffung nichts gemeldet werde, zu der unerschaffenen Materie. Auch auf dieses Bedenken wollen wir antworten. Die hl. Schrift würde genug gesagt haben, wenn sie uns mit den hervorragendsten Schöpfungen Gottes bekannt gemacht hätte, mit Himmel und Erde; diese haben natürlich ihre besonderen Auszeichnungen, welche man aus den hervorragendsten Dingen hätte entnehmen können. Auszeichnungen derselben aber waren damals zuerst die Finsternis, der Abgrund, der Geist und die Gewässer. Unter der Erde befand sich nämlich der Abgrund und die Finsternis. Denn wenn sich der Abgrund unter der Erde, die Finsternis aber über dem Abgrunde befand, so lagen die Finsternis und der Abgrund ohne Zweifel unter der Erde. Unter dem Himmel aber waren der Geist und die Gewässer. Denn wenn sich die Gewässer über der Erde befanden, indem sie [S. 89] letztere bedeckten, der Geist hingegen über den Gewässern, so lagen in gleicher Weise der Geist und die Gewässer über der Erde. Was sich aber über der Erde befand, das lag jedenfalls unter dem Himmel, und wie die Erde auf dem Abgrund und der Finsternis, so lagerte sich der Himmel auf dem Geiste und über den Gewässern und umspannte sie.

Es ist auch so ungewöhnlich nicht, bloss das Enthaltende namhaft zu machen, als die Summe des Ganzen, das Enthaltene aber als Teil davon mit darunter zu verstehen. Man sehe z. B., wenn ich sage, die Stadt erbaute ein Theater und einen Circus, die Bühne aber sah so und so aus, die Bildsäulen standen über dem Euripus und der Obelisk ragte über das Ganze empor, sollten dann nicht auch diese Teile samt dem Circus und dem Theater von der Stadt errichtet worden sein, trotzdem, dass ich es nicht gesagt habe? Oder habe ich die Angabe, auch diese Teile seien von ihr errichtet worden, nicht vielmehr deshalb unterlassen, weil sie in dem von ihr, wie gesagt, Errichteten stecken, und man entnehmen konnte, dass sie in ihnen stecken.

Doch mag dieses Beispiel als bloss menschlichem Treiben entnommen fortbleiben, ich will ein anderes aus der hl. Schrift selbst herausgreifen. „Gott schuf”, heisst es, „den Menschen aus Erde und hauchte ihm ins Antlitz den Odem des Lebens und der Mensch wurde zur lebenden Seele.” Hier erwähnt sie zwar seines Antlitzes, sagt aber nicht, dass es von Gott gemacht worden sei; nachher aber redet sie von seiner Haut, seinen Knochen, Fleisch, Augen, Schweiss und Blut, ohne damals gemeldet zu haben, diese Dinge seien von Gott gemacht. — Was wird Hermogenes darauf erwidern? Werden die Gliedmassen des Menschen vielleicht auch zur Materie gehören, da ihre Erschaffung nicht ausdrücklich berichtet wird? Oder gehören auch sie zur Hervorbringung des Menschen? In derselben Weise nun waren Abgrund, Finsternis, Geist und Gewässer gleichsam Gliedmassen des Himmels und der Erde. In den Körpern sind auch die Gliedmassen mit geschaffen, in den Körpern die Gliedmassen mit genannt. Jedes Element ist ein Glied des Elementes, worin es enthalten ist. Im Himmel und der Erde aber sind alle Elemente mitenthalten.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger