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Tertullian († um 220) - Gegen Hermogenes. (Adversus Hermogenes)

19. Cap. Über die Missdeutung der Stelle: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Gen. 1, 1.

Doch ich will mich nun auf die Mosaische Originalurkunde berufen, worauf die Gegenpartei ihre Einbildungen vergeblich zu stützen sucht, um sich den Schein zu geben, als entnähme sie ihr Beweismaterial vom richtigen Orte. Daher hat sie sich aus gewissen Worten eine Handhabe gemacht, wie es die Manier der Häretiker ist, alle einfachen Sachen verwickelt zu machen. Sie behaupten nämlich, auch „der Anfang”, worin Gott Himmel und Erde schuf, sei etwas substantielles und körperliches gewesen, und man könne darunter die Materie verstehen. Wir aber geben jedem Worte seine ihm zukommende Bedeutung und sagen principium bedeutet Anfang und dieses Wort sei passend gesetzt worden, weil die Dinge zu entstehen anfingen. Denn nichts, was eine Entstehung hat, ist ohne Anfang, ja sein Anfang tritt eben dann ein, wenn die Entstehung beginnt. Anfang ist also eben das Wort für den Beginn der Entstehung, nicht eine Bezeichnung für irgend eine Substanz. Wenn nun gar Himmel und Erde die ursprünglichsten Werke Gottes sind, die Gott vor allem schuf, um im eigentlichen Sinne den Anfang seiner Werke zu bilden, die als die ersten entstanden sind, so bedient sich die hl. Schrift mit vollem Recht zur Einleitung der Worte: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde”, so wie sie gesagt haben würde: „Am Ende schuf Gott Himmel und Erde”, wenn er sie später als das Weltall gemacht hätte. Oder aber, wenn „Anfang” irgend eine Substanz bedeutete, so würde das Ende auch irgend eine Materie sein. Allerdings kann auch irgend etwas Substantielles Prinzip für ein anderes Ding sein, welches aus ihm gemacht werden soll; so ist z. B. Thon das Prinzip der Töpferware, das Samenkorn Prinzip [S. 79] der Pflanze. Wenn wir uns aber des Wortes Prinzip in diesem Sinne bedienen für Ursprung, nicht im Sinne der Aufeinanderfolge, so machen wir die Sache speziell namhaft, wovon es das Prinzip sein soll. Im übrigen, wenn wir uns aber so ausdrücken: Im Anfang1 machte der Töpfer ein Becken oder eine Urne, dann bezeichnet Prinzip nicht mehr die Materie; denn ich habe nicht den Thon als Prinzip bezeichnet, sondern vom Verlauf des Wirkens gesprochen. Denn der Töpfer machte das Becken, die Urne, vor andern Dingen, um nachher andere Dinge zu machen. Hier wird sich das Wort Prinzip auf die Anordnung der Werke beziehen, nicht auf den Ursprung der Substanzen. Man kann Prinzip auch noch anders erklären, nicht von der Sache. Denn auch das griechische Wort für Prinzip, nämlich ἀρχή [archē], bezeichnet nicht bloss den Vorrang in der Aufeinanderfolge, sondern auch in der Macht, weshalb die Vorsteher und Magistrate auch den Titel Archonten führen. Also auch zufolge dieser Worterklärung wird principium für Vorrang, Macht genommen werden. Denn Gott schuf kraft seines Vorranges und seiner Macht Himmel und Erde.

1: In principio.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger