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Tertullian († um 220) - Gegen Hermogenes. (Adversus Hermogenes)

15. Cap. Wenn also das Gute weder aus der Materie noch aus Gott entstanden ist, so muss es wohl aus Nichts hervorgegangen sein, und noch mehr das Böse; sonst kommt man immer auf Widersprüche.

Wofern aber nun das Gute weder aus der Materie entstanden ist, da es sich, weil sie schlecht ist, nicht in ihr befand, noch auch aus Gott, weil nach der Lehre des Hermogenes nichts aus Gott entstehen konnte, so ist es sofort klar, dass das Gute aus nichts entstanden sei; denn es ist aus keinem Wesen entstanden, weil weder aus der Materie noch aus Gott. Ist nun das Gute aus nichts geworden, warum nicht auch das Böse? Oder noch besser, warum soll nicht alles aus nichts entstanden sein, wenn einiges aus nichts entstanden ist? Es müsste denn sein, dass die göttliche Macht, die einiges aus nichts hervorgebracht hatte, nicht mehr ausreichend gewesen wäre, um alles daraus hervorzubringen. Wenn das Gute, da es weder aus dem Nichts noch aus Gott hervorgegangen sein soll, aus der bösen Materie hervorgegangen ist, so würde folgen, dass es aus einer Umwandlung der Materie hervorgegangen sei, und das wäre gegen die vorhin in Abrede gestellte Möglichkeit einer Umwandlung des Ewigen. Woraus besteht das Gute also? Hermogenes dürfte bereits sogar die Möglichkeit seines Bestehens leugnen. Es muss aber unumgänglich notwendig aus einem von den Wesen hervorgegangen sein, aus denen es, wie er behauptet, unmöglich hervorgehen konnte.

Wenn das Böse aber deshalb nicht aus dem Nichts hervorgegangen ist, damit es nicht Gott angehöre, aus dessen Willen es aber doch hervorgegangen zu sein scheinen könnte, sondern aus der Materie, um so dem anzugehören, aus dessen Substanz es entstanden ist, so würde Gott, wie gesagt, auch dann noch als Urheber des Bösen dastehen. Denn er hätte mit derselben Macht und Freiheit des Willens alles Gute oder eigentlich nur Gutes aus der Materie hervorbringen müssen, hat aber trotzdem nicht lauter Gutes, sondern auch Schlechtes hervorgebracht. Entweder wollte er dann also die Existenz des Bösen, falls er die Entstehung des Schlechten zu verhindern imstande war, oder er war nicht imstande, alles gut zu schaffen, wenn er es wollte und nicht that; denn es liegt nichts daran, ob Gott aus Ohnmacht oder freiwillig Urheber des Bösen wurde. Oder was für ein vernünftiger Grund war vorhanden, nachdem er als der Gute Gutes geschaffen hatte, auch das Böse hervorzurufen, als wäre er nicht der Gute, und Dinge hervorzubringen, die gerade zu ihm allein nicht passten? Was brauchte er nach Hervorbringung seiner Werke sich der Interessen der Materie anzunehmen und Böses hervorzubringen? Etwa, damit er als der allein Gute aus dem Guten erkannt würde, die Materie hingegen nicht als schlecht aus dem Schlechten erkannt würde?

[S. 75] Das Gute wäre besser gediehen ohne den Anhauch des Schlechten. Auch Hermogenes bekämpft ja die Klügeleien einiger Leute, die behaupten, das Böse sei notwendig gewesen, um das Gute ins Licht zu stellen, da man es aus seinem Gegenteil erkennen müsse. Folglich war entweder nicht einmal deswegen Raum vorhanden, das Böse hervorzubringen; oder aber, wenn irgend ein anderer Grund das Dasein des Bösen erforderte, warum konnte es denn nicht aus dem Nichts hergestellt werden? Denn dann würde ja jener Grund selbst den Herrn entschuldigt haben, so dass er nicht für den Urheber des Bösen gälte, welcher jetzt, da er aus der Materie schafft, dem Bösen zur Entschuldigung gereicht, wenn es überhaupt eine Entschuldigung gibt. So werden wir also1 bei dieser Untersuchung überall und von allen Seiten auf den Punkt hingetrieben, wohin diejenigen nicht gehen wollen, die das Böse, weil sie sein Wesen nicht prüfen und nicht unterscheiden, wie es entweder Gott beizumessen oder von Gott fernzuhalten ist, auf Grund von allerlei noch unwürdigeren Deduktionen dennoch Gott schuldgeben.2

1: Ich glaube den neuen Satz mit adeo beginnen zu müssen.
2: Die Lesart destructionibus erscheint hart und gezwungen und ist verdächtig. Ich schlage statt dessen vor deductionibus oder distinctionibus.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger