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Tertullian († um 220) - Gegen Hermogenes. (Adversus Hermogenes)

14. Cap. Hermogenes will hiergegen mit der Ausflucht helfen, die Materie habe nur die Gelegenheit zum Schaffen geboten, der schöpferische Wille aber gehöre Gott allein zu. Auch dann bliebe Gott von der Materie abhängig.

Auch dann, wenn man sagen wollte, die Materie habe ihm allerdings die Gelegenheit geboten, doch habe er durch seinen Willen nur Gutes hervorgebracht und es sozusagen aus der Materie an sich genommen, wiewohl auch das unschicklich sein würde — selbst dann ist er, da er ganz gewiss das Schlechte aus ihr hervorbringt, dadurch, dass er es nicht nach seinem eigenen freien Willen hervorbringt, von der Materie abhängig; denn er kann nichts anderes thun, als aus etwas Bösem schaffen. Ungern that er es jedenfalls; denn er ist ja gut; aber er that es, weil ungern, aus Zwang, und endlich, weil er es aus Zwang that, so ist er auch ihr Knecht. Was ist also angemessener, notgedrungen das Böse geschaffen zu haben oder aus freiem Willen? Notgedrungen hat Gott es geschaffen, wenn er aus der Materie schuf, freiwillig dagegen, wenn er aus nichts schuf. Dein Drehen und Winden, Gott nicht als Urheber des Bösen hinzustellen, ist also ganz vergeblich; denn es wird auch dann, wenn er sich der Materie als Grundlage zu seinem Schaffen bediente, demjenigen, der geschaffen hat, beigemessen werden, deswegen, weil er der Schöpfer ist. So macht es allerdings einen Unterschied, woraus er schuf, wie wenn er aus nichts geschaffen hätte; und es macht umgekehrt keinen Unterschied, woraus er schuf, sobald er aus demjenigen schuf, woraus es für ihn schicklicher war zu schaffen. Es war aber schicklicher für ihn, aus seinem Willen zu schaffen, als aus Zwang, d. h. es war für ihn schicklicher, aus nichts zu schaffen, als aus einer Materie. Es ist aber auch angemessener, Gott für den freiwilligen als für den abhängigen Urheber des Bösen anzusehen. Jedwede Macht steht ihm besser an als irgend eine Erniedrigung. So werden sich auch, wenn wir zugestehen, die Materie habe zwar nichts Gutes an sich gehabt, der Herr aber habe, wenn er Gutes schuf, es aus sich hervorgebracht, in gleicher Weise andere Fragen erheben. Erstens wenn die Materie überhaupt Gutes gar nichts an sich hatte, so ist auch aus ihr [S. 74] nichts Gutes entstanden, eben weil sie nichts hatte. Sodann aber, entstand es nicht aus der Materie, so ist es mithin aus Gott. Wenn es aber auch nicht aus Gott entstanden ist, so ist es aus nichts geworden. Dieses wäre der einzige Ausweg bei dem Verfahren des Hermogenes.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger