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Tertullian († um 220) - Gegen die Valentinianer. (Adversus Valentinianos)

10. Cap. Andere, mehr ausgeschmückte Darstellung dieses Vorfalles. Seine Folgen. Entstehung der Materie. Die Enthymesis.

Manche haben über das Schicksal und die Rettung der Sophia wieder andere Träumereien gehabt. Nach vergeblichen Versuchen und dem Fehlschlagen ihrer Hoffnungen hätten sich bei ihr, wenn ich nicht irre, Blässe, Magerkeit und Verfall eingestellt, da ihr die Abweisung vom Vater nicht weniger empfindlich war als sein Verlust. In dieser Traurigkeit empfing sie dann von sich selbst, allein ohne das eheliche Werk, und gebar ein weibliches Wesen. Wundert dich das vielleicht? Es ist ja auch der Henne beschieden, aus sich allein zu gebären, und bei den Geiern sollen die Weibchen für sich allein Junge bekommen. Dennoch wird die gattenlose Mutter zuletzt bange, dass auch das Ende eintrete; sie ist sich unklar über den Grund dieses Unfalls und sinnt auf dessen Verheimlichung. Nirgends zeigt sich ein Mittel. Denn wo hätte es damals schon Tragödien und Komödien gegeben, um davon die Kunst zu entlehnen, sich über Kinder, die mit Verletzung der guten Sitte geboren worden, auszureden? Als die Sache schlimm wird, blickt sie auf und wendet sich zum Vater. Vergebliche Mühe! Als dann die Kräfte nachlassen, versinkt sie in Gebete. Auch ihre ganze Verwandtschaft bittet für sie und zumeist der Nus. Warum denn auch nicht? Er ist ja die Ursache dieses grossen Unglücks. Indessen blieb keins von den Geschicken der Sophia ohne Folgen. Alle ihre Leiden haben Wirkungen. Denn ihr damaliger Kampf wurde der Ursprung der Materie. Ihre Unwissenheit, ihre Angst und Trauer wurden zu Substanzen. Da endlich liess sich der Vater rühren und brachte den obengenannten Horos durch seinen Monogenes und Nus in besonderer Gestalt, als Mannweib zu diesem Zwecke hervor; denn sogar hinsichtlich des Geschlechts des Vaters sind ihre Ansichten schwankend. Sie setzen dann noch hinzu, der Horos werde auch Metagogeus, d. i. Herumführer, und Horothetes genannt. Als sein Werk rühmen sie, dass nun die Sophia von unerlaubten Handlungen zurückgehalten, von ihren Sünden gereinigt, sodann gestärkt und ihrem Ehemanne zurückgegeben worden sei, dass sie in der Zugehörigkeit zum Pleroma verblieben, ihre Enthymesis aber und deren Anhängsel, die Leidenschaft, vom Horos ausgewiesen, ans Kreuz geschlagen und aus dem Pleroma gestossen sei — was sie durch den Ruf ausdrücken: „Hinaus mit dem Übel!“ — Jene geistige Substanz aber sei, als ein natürlicher Trieb eines Äon, wenn auch ein ungestalteter und unschöner, insofern er nichts erreicht habe, für eine schwächliche Frucht und ein weibliches Wesen erklärt worden.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger