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Tertullian († um 220) - Gegen die Valentinianer. (Adversus Valentinianos)

9. Cap. Der Fehltritt der Sophia.

Eine persönliche Begünstigung ist es, dass er, der Nus allein, die Bekanntschaft mit dem unendlichen Vater geniesst in Freude und Frohlocken, während die andern trauern. Allerdings hat der Nus, so viel an ihm lag, den Willen gehabt und den Versuch gemacht, auch die andern an seiner Kenntnis, wie gross und unbegreiflich der Vater sei, teilnehmen zu lassen. Allein die Mutter Sige trat ihm in den Weg, die nämliche, welche auch ihren lieben Häretikern Schweigen gebot, obschon sie behaupten, es sei auf den Wink des Vaters geschehen, der alle mit dem Verlangen nach sich entzünden wolle. Während sie also an innerer Zerrissenheit leiden, während sie von stiller Begierde, den Vater kennen zu lernen, entbrennen, ist das Verbrechen beinahe vollbracht. Von den zwölf Äonen nämlich, die durch den Menschen und die Kirche ins Dasein gesetzt sind, brach die jüngstgeborene Äon — auf einen Solöcismus kommt's hier nicht an — er heisst nämlich Sophia — in ihrer Unenthaltsamkeit ohne ihren Gatten Theletus hervor und liess sich ein Vergehen der Art zu schulden kommen, wie es seinen Anfang bei den den Nus umgebenden andern Wesen genommen hatte und auf sie, nämlich die Sophia, übergegangen war, ähnlich wie körperliche Gebrechen, die an einer Stelle entstanden, auf irgend ein anderes Glied verderbliche Wirkungen ausüben. Allein die Eifersucht gewann im Nus, der sich allein des Vaters erfreute, die Oberhand. Als in Wahrheit auf Unmögliches gerichtet, wird das Streben der Sophia vereitelt, sie wird durch die Schwierigkeit überwunden, durch ihre Liebe ausgedehnt, und es fehlte bei der Macht der Süssigkeit und der Anstrengung wenig, dass sie aufgezehrt worden wäre und sich in die übrige Substanz verflüchtigt hätte. Nur ihr Untergang hätte ihrem Streben ein Ziel gesetzt, wenn sie nicht zum guten Glück auf den Horos gestossen wäre. Auch dieser besitzt eine gewisse Macht. Er ist die Grundlage jenes Universums und sein Hüter [S. 111] nach aussen; er wird auch Crux, Lytrotes oder Carpistes genannt. So wurde die Sophia der Gefahr entrissen, liess sich nach und nach bereden, gab das Suchen nach dem Vater auf, beruhigte sich und legte die ganze betreffende Gesinnung, die Enthymesis, mit der Leidenschaft, die hinzugetreten war, ab.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger