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Tertullian († um 220) - Gegen die Valentinianer. (Adversus Valentinianos)

4. Cap. Ursprung und bisherige Geschichte der valentinianischen Sekte.

Wir kennen, sage ich, auch ihren Ursprung recht gut und wissen, warum wir sie Valentinianer nennen, obwohl sie den Anschein haben, keine zu sein. Sie haben sich von ihrem Stifter getrennt, aber ihr Ursprung ist dadurch keineswegs verwischt worden, und wenn er vielleicht geändert wird, so ist gerade die Änderung ein Beweis dafür. Valentinus hatte sich Hoffnung auf die Bischofswürde gemacht, weil er begabt und beredt war. [S. 106] Als aber ein anderer, der den Vorzug des Martyriums besass, dieselbe erlangt hatte, wurde er unwillig und sagte sich von der Kirchengemeinschaft los, welche im Besitz der authentischen Glaubensregel ist. Wie es bei den Geistern zu gehen pflegt, die vom Streben nach dem Vorrange getrieben sind, dass sie nämlich von Rachsucht in Flammen gesetzt werden, wandte er sich nun der Bekämpfung der Wahrheit zu und geriet, indem er die Samenkörner gewisser alter Lehrmeinungen in sich aufnahm, auf die Abwege des Colarbasus. Diesen Weg hat später Ptolemäus beschritten, indem er die Äonen nach Namen und Zahlen in persönliche Substanzen zerlegte, aber in solche, die ausserhalb Gottes fixiert sind, und die Valentinus in dem Gesamtwesen der Gottheit als Gedanken, Empfindungen und Strebungen eingeschlossen hatte. Es hat sodann auch Herakleon einige Nebenwege von dort abgeleitet, ebenso Sekundus und der Magier Markus. Viele Mühe hat sich Theotimus1 mit der Symbolik des Gesetzes gegeben.

So ist denn eigentlich Valentinus nirgends mehr, und doch gibt es Valentinianer, weil sie von Valentinus abstammen. Heutzutage hält einzig und allein Axionikus in Antiochien das Andenken Valentinins durch Bewahrung seiner unverfälschten Regeln in Ehren. Im übrigen darf diese Häresie so viele Überzeugungen annehmen,2 als eine Gassenhure jeden Tag Schmucksachen für ihre Gestalt anzulegen pflegt. Warum denn auch nicht? Sie setzen in dieser Weise ihren sogenannten bekannten geistigen Keim bei einem jeden voraus. Haben sie irgend eine Neuerung angebracht, so nennen sie ihre Einbildungen sofort Offenbarungen, ihre Erfindungen ein Charisma, nicht Einheit, sondern Mannigfaltigkeit. Daher sehen wir es vorher, dass sie mit Hintansetzung ihres gewöhnlichen Vorgebens meistens in verschiedenen Punkten auseinandergehen, ja sogar in gutem Glauben sagen werden: Das ist nicht so, jenes verstehe ich anders, das erkenne ich nicht an. Denn ihre Glaubensregel wechselt und erneuert ihr Gesicht und hat auch die Farben der Unwissenheit.

1: Theotimus wird in den Philosophumenen des Hippolyt nicht erwähnt.
2: Öhler erklärt diese Stelle falsch.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger