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Tertullian († um 220) - Gegen die Valentinianer. (Adversus Valentinianos)

15. Cap. Entstehung der einzelnen Elemente aus den Affekten der Achamoth.

Nun aber aufgepasst! Jetzt können die Pythagoräer erfahren und die Stoiker, ja Plato selbst begreifen lernen, woher die Materie, die sie für unentstanden ausgeben, stammt und von wo sie zur Konstruktion der gesamten sichtbaren Welt ihren Ursprung und ihr Wesen hat. Nicht einmal Mercurius Trismegistus, der Herr und Meister aller Physiker, hat daran gedacht. Es war eben die Rede von der Hinneigung als einer Art Leidenschaft. Aus ihr soll alles, was in dieser Schöpfung Seele heisst, entstanden sein, auch die Seele des Demiurgen, d. i. unseres Gottes. Es war die Rede von Trauer und Furcht. Daraus sind die übrigen Dinge entstanden. Nämlich aus ihren Thränen entströmte das ganze nasse Element, das Wasser. Hieraus kann man abnehmen, welches Schicksal sie gehabt, was für Arten von Thränen sie geweint hat. Sie hatte salzige, sie hatte bittere und süsse, sie hatte warme und kalte Tropfen geweint, Pech, Eisen, Schwefel und sogar Gift enthaltend, so dass auch der Quell Nonakris aus ihr hervorgeschwitzt ist, durch welchen Alexander sein Leben [S. 116] verlor, der Lyncesterquell1 aus ihr hervorsprudelte, der trunken macht, und auch der Quell Salmakis ihr entträufelte, der die Männer entnervt. Der Himmelsthau und Regen entstand aus dem Kindergeheul der Achamoth, und was wir in unsern Cisternen aufzubewahren uns bemühen, sind fremde Trauer und Thränen. Ebenso wurden aus der Niedergeschlagenheit und der Trauer die körperlichen Elemente hervorgebracht. Und doch, in der Not dieser grossen Einsamkeit und der Verlegenheit dieser grossen Verlassenheit lächelte sie bisweilen, insoweit sie sich des Anblicks des Christus erinnerte. Aus diesem freudigen Lachen entstand das Licht. Welcher Art von Vorsehung hat man denn die Wohlthat zu danken, dass sie zum Lachen gezwungen wurde und wir nicht beständig in der Finsternis zu weilen haben? Es ist wahrhaftig nicht zu verwundern, dass ihre Fröhlichkeit für die Schöpfung ein so glänzendes Element auszustrahlen vermochte, wenn ihre Traurigkeit sogar schon ein für die Welt so notwendiges Hilfsmittel ausfliessen liess. O Wunder über dieses leuchtende Lachen! O dieses bewässernde Weinen! Sie hätte schon durch dieses Gegenmittel der Schrecklichkeit ihres Aufenthaltsortes abhelfen können — sie hätte ja dessen Dunkelheit immer verscheuchen können, so oft sie nur lachen wollte, schon deshalb, um ihren Ungetreuen keine gute Worte geben zu müssen.

1: In Macedonien.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger