Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Tertullian († um 220) - Gegen die Valentinianer. (Adversus Valentinianos)

12. Cap. Nachdem die Einheit im Pleroma wiederhergestellt ist, bringen die Äonen den Jesus hervor, um dem Vater eine Freude zu machen.

So werden denn alle an Wesen und Wissen gleichgestellt; alle sind geworden, was jeder war, keiner ist etwas anderes, weil einer wie der andere ist. Sie gehen alle in Nus, Menschen, Theletus, die weiblichen Äonen ebenso in Sigen, Zoen, Ekklesien, Fortunaten auf, so dass [S. 113] Ovidius sein Buch der Metamorphosen vernichtet haben würde, wenn er von diesen viel grössern Metamorphosen etwas erfahren hätte. Von da an nun haben die Äonen sich wieder erholt und gekräftigt; dank der Wahrheit, in die rechte Ruhe eingetreten, besingen sie den Vater in Hymnen, was gewaltige Freude erregt. Er selber wird vor Freude ganz gerührt, da seine Kinder und Enkel so schön singen. Warum sollte er denn nicht auch in voller Wonne ganz zerfliessen, da das Pleroma befreit ist? Hat doch auch jeder Schiffsreeder seine ungeziemende Freude! Wir sehen alle Tage die ausgelassene Lustigkeit der Matrosen. Wie diese sich jedesmal bei ihren Picknicks erlustigen, so ungefähr machen es auch die Äonen, die nunmehr alle eins sind, sowohl an Aussehen als an Einsehen. Indem auch die neuen Brüder und Lehrer, der Christus und der hl. Geist, sich der Gesellschaft anschliessen, gibt jeder zum besten, was er Gutes und Schönes hat. Das ist zwecklos, sollte ich denken. Denn wenn alle eins sind, so hatte infolge der erwähnten Gleichförmigkeit das Picknick gar keinen Sinn, da dessen Anziehungskraft ja eben in der Mannigfaltigkeit zu bestehen pflegt. Alle brachten nur das eine Gute mit, was sie selbst waren.

Vielleicht lag aber die Veranlassung dazu in der Art und Weise oder der Methode ihrer Beisteuer und Umlage selbst. Sie verfertigten also nun aus dem beigesteuerten Gelde zur Ehre und Verherrlichung ihres Vaters das schönste Gestirn der Pleroma, eine höchst vollkommene Frucht, den Jesus. Sie gaben ihm die Namen: Erlöser, Christus und Wort — von seinem Vatersnamen, — schliesslich sogar den Namen: „Über alles“ — weil er dadurch gebildet worden war, dass von allem das Beste dazu genommen wurde, wie zum Häher des Äsop, zur Pandora des Hesiod, der Patina des Accius, dem Cocetus des Nestor, und der Miscellanea des Ptolemäus. Da hätte es doch noch nähergelegen, diese müssigen Aushecker von allerlei Namen hätten ihn Pancarpia genannt im Anschluss an ein gewisses athenisches Produkt.1 Um diesem Püppchen ferner äusserlich einen Schmuck zu geben, brachten sie auch eine Leibwache für ihn hervor, die Engel, eine Gesellschaft von derselben Art. Sind sie gleichwesentlich miteinander, so mag es drum sein, sind sie es mit dem Soter — denn die Sache wird unklar gelassen — wie sollte dieser dann eine höhere Stellung haben, als seine ihm gleiche Leibwache?

1: Es scheint mir dies die Bezeichnung einer Leckerei oder eines Backwerks gewesen zu sein, das man zu Athen verfertigte und das aus vielerlei Ingredienzen von allen Früchten bestand, woher der Name Pancarpia.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . 4. Cap. Ursprung und ...
. . 5. Cap. Vorgänger ...
. . 6. Cap. Er erklärt, ...
. . 7. Cap. Bythos, Sige, ...
. . 8. Cap. Die Äonen ...
. . 9. Cap. Der Fehltritt ...
. . 10. Cap. Andere, mehr ...
. . 11. Cap. Erschaffung ...
. . 12. Cap. Nachdem die ...
. . 13. Cap. Übergang ...
. . 14. Cap. Beschreibung ...
. . 15. Cap. Entstehung ...
. . 16. Cap. Sie wird durc...
. . 17. Cap. Daraus entsteht ...
. . 18. Cap. Die Hervorbri...
. . 19. Cap. Fortsetzung.
. . 20. Cap. Die Thätigkeit ...
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger