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Tertullian († um 220)
Über die Auferstehung des Fleisches.
(De resurrectione carnis)

1. Cap. Die Lehre von der persönlichen Fortdauer des Menschen nach dem Tode und seiner Auferstehung sind Hauptdogmen des Christentums. Widerspruchsvolles Verhalten der Heiden und ihrer Philosophen in diesem Lehrstücke.

[S. 421] Was den Christen ihr Vertrauen einflösst, ist die Auferstehung der Toten. Durch sie sind wir Gläubige geworden. Zu diesem Glauben nötigt uns die wahre Lehre; die wahre Lehre offenbart uns Gott, aber der Pöbel verlacht sie in dem Wahne, es gebe nach dem Tode nichts mehr. Und doch bringt man den Verstorbenen Totenopfer dar, und zwar mit ausgiebigem Dienste, entsprechend ihrer Lebensart, sowie dem Zeitwechsel der Speisen, so dass man also bei denen ein Verlangen voraussetzt, denen man sogar jedes Gefühl abgesprochen hat.

Ich aber verlache den Pöbel um so mehr auch dann, wenn er dieselben Verstorbenen, die er nachher auf so leckere Weise beköstigt, in so schrecklicher Weise verbrennt, indem er ihnen mittels derselben Feuerkraft Gutes und Böses zufügt. Ist das eine Verwandtenliebe, die mit einer Grausamkeit ihr Spiel treibt! Sind es denn eigentlich Opfer oder Beleidigungen, was sie darbringt, wenn sie verbrannten Personen etwas verbrennt? Allerdings thun die Weisen ihre Ansicht von der Sache mit der des Pöbels zusammen. Nach dem Tode gibt es nichts mehr, lautet der Unterricht des Epikur. Auch Seneca behauptet, dass nach dem Tode alles aus sei, sogar der Tod selber. å

Es genügt uns, dass im Gegenteil die Philosophie des Pythagoras, die nicht geringer ist, sowie die des Empedokles und die Platoniker die Unsterblichkeit der Seelen aufrecht erhalten und, uns ganz nahekommend, letztere sogar in Körper zurückkehren lassen, freilich nicht in dieselben und nicht in menschliche Körper, allein doch so, dass Euphorbus in Pythagoras, Homer in einem Pfau wiedererkannt werden. Sie haben zum wenigsten doch eine körperliche Wiedererweckung der Seele verkündet; sie haben, was noch erträglicher ist, deren Eigenheit nicht geleugnet, sondern verändert und die Wahrheit, wenn auch nicht erreicht, so doch wenigstens berührt.

So verkennt die ausserchristliche Welt auch in ihrem Irrtum die Auferstehung der Toten nicht.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger