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Tertullian († um 220) - Über die Auferstehung des Fleisches. (De resurrectione carnis)

9. Cap. Gott kann den menschlichen Leib unmöglich verabscheuen, sondern muss ihn werthalten.

Um also die Sache kurz zusammenzufassen, sage ich, was Gott mit seinen eigenen Händen zu seinem Ebenbilde geformt hat, was er durch sein Anhauchen nach der Analogie seines Lebens belebt, was er mit der Bestimmung, seine ganze Schöpfung zu bewohnen, zu geniessen und zu beherrschen, ihr vorgesetzt hat, was er mit seinen Sakramenten und seiner Zucht umgeben hat, das, dessen Reinigkeit er liebt, dessen Kasteiungen er genehm hält, dessen Leiden vor ihm Wert haben — das sollte nicht auferstehen, während es in so vielen Hinsichten Gott angehört?! Fern, ja fern sei es, dass Gott das Werk seiner Hände, den Gegenstand der Sorge seines Schöpfergeistes, das Behältnis seines Hauches, den König seiner Schöpfung, den Erben seiner Freigebigkeit, den Priester seiner Religion, den Kämpfer für sein Zeugnis, den Bruder Christi einem immerwährenden Untergange preisgebe!

Dass Gott gut ist, haben wir gewusst, dass er das beste Wesen ist, haben wir von seinem Christus dazu gelernt. Da er nächst der Liebe zu Gott die zum Nächsten befiehlt, so wird er doch wohl auch selber thun, was er vorschreibt. Er wird den menschlichen Leib lieben, der ihm in so vielfacher Weise nahesteht, obwohl derselbe schwach ist, — „die Tugend wird ja in der Schwäche vollendet“,1 — obschon er krank ist, — „nur die sich schlecht Befindenden bedürfen eines Arztes“,2 — obschon er unansehnlich ist, — „aber die unansehnlicheren Glieder umkleiden wir mit grösserer Ehre“,3 — obschon er verloren war, — aber „ich bin“, sagt er, „gekommen, um zu retten, was zu Grunde gegangen“,4 — obschon er sündhaft ist, — „aber ich will lieber“, sagt er, „das Heil des Sünders als seinen Tod“,5 — obschon er verdammt ist, — „ich bin es“, sagt [S. 433] er, „der Wunden schlagen und sie heilen wird“.6 Was machst Du dem Leibe seine Zustände zum Vorwurf, welche Gottes warten, welche auf Gott hoffen, welche bei ihm Ehre finden, denen er zur Hilfe kommt? Ich möchte fast wagen zu behaupten, wenn diese Zustände dem Leibe nicht zugestossen wären, so hätten Gottes Güte, Gnade, Erbarmung, ja die ganze Kraft des Wohlthuns Gottes keinen Gegenstand gehabt.

1: II. Kor. 12, 9.
2: Luk. 5, 31.
3: I. Kor. 12, 23.
4: Luk. 19, 10.
5: Ezech. 18, 23.
6: V. Mos. 32, 39.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger