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Tertullian († um 220) - Über die Auferstehung des Fleisches. (De resurrectione carnis)

63. Cap. Rhetorische Wiederholung einiger der vorgetragenen Gedanken. Apostrophe an die Leugner der Auferstehung mit Hinweis auf deren neuerliche Bestätigung durch den Paraklet.

Also der Leib wird auferstehen, und zwar jeder, derselbe und ein vollständiger. Wo er sich auch immer befindet, er ist in Sicherheit bei Gott hinterlegt durch den treuesten Mittler zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus, welcher den Menschen Gott und dem lieben Gott die Menschen wiedergeben wird, dem Fleische den Geist und dem Geiste das Fleisch. Denn beides hat er bereits in seiner Person vereinigt, dem Bräutigam eine Braut und der Braut einen Bräutigam verschafft. Wenn man darauf bestehen sollte, die Seele allein für die Braut auszugeben, so wird der Leib wenigstens unter dem Titel einer Mitgift die Seele begleiten. Die Seele wird keine gemeine Dirne sein und nicht nackt und bloss von ihrem Bräutigam angenommen werden müssen. Sie hat ihre Ausstattung, sie hat ihren Putz und ihren Sklaven, den Leib; wie ein Milchbruder wird er sie begleiten.

Allein die wahre Braut ist das Fleisch, welches auch in Christo Jesu durch Blut den Geist als Bräutigam sich verbunden hat. Was man für seinen Untergang ansieht, ist nur ein vorübergehendes sich Entfernen. Nicht die Seele allein entfernt sich. Auch das Fleisch hat während der Zeit seine Verstecke: im Wasser, im Feuer, in den Vögeln, in den wilden Tieren. Wenn es in diese aufgelöst scheint, so ist es gleichsam nur in andere Gefässe übergeleitet. Fehlen ihm sogar die Gefässe und fliesst es auch aus diesen in seine mütterliche Erde aus, dann macht es gleichsam einen Kreislauf durch, so dass aus ihr wieder ein Adam hergestellt wird, der vom Herrn die Worte hören soll: „Siehe, Adam ist wie einer aus uns geworden.“1 Dann ist er wirklich kundig des Bösen, dem er entgangen ist, und des Guten, in das er eingegangen ist. Warum, o Seele, empfindest du Widerwillen gegen den Leib? Niemand steht dir so nahe, wie er, den du nächst dem Herrn lieben sollst; niemand ist in höherem Grade dein Bruder, als der, welcher mit dir in Gott geboren wird. Du hättest [S. 507] für ihn die Auferstehung erflehen müssen, wenn er vielleicht auf deine Veranlassung gesündigt hat. Aber es ist kein Wunder, wenn man das hasst, dessen Urheber man ebenfalls verschmäht hat, was man auch an der Person Christi zu leugnen oder zu verunstalten gewohnt ist, indem man damit sogar es selbst, das Wort Gottes, das Fleisch geworden ist, schriftlich oder durch mündliche Auslegungen verunehrt und die Geheimlehren der Apokryphen, diese gotteslästerlichen Fabeln, darauf anwendet.2

Jedoch der allmächtige Gott hat, in seiner alles voraussehenden Gnade diesen Erfindungen des Unglaubens und der Gottlosigkeit zum Trotz, in den letzten Tagen von seinem Geiste auf alles Fleisch ausgegossen, auf seine Knechte und Mägde,3 den angefochtenen Glauben an die leibliche Auferstehung neu belebt und die bisherigen Urkunden durch klare Beleuchtung der Worte und Gedanken von aller Zweideutigkeit und Dunkelheit gereinigt. Weil es Häresien geben musste,4 damit alle Bewährten offenbar würden, diese aber, ohne einigen Anlass in den hl. Schriften zu finden, nicht wagen konnten, aufzutreten, deshalb wurden ihnen in den bisherigen hl. Urkunden, wie es scheint, einige Anhaltspunkte gegeben, welche freilich wiederum durch die nämlichen Schriften widerlegbar sind. Weil es jedoch nötig war, dass der hl. Geist nicht mehr damit zurückhielt, zu zeigen, dass er auch an solchen Aussprüchen Überfluss habe, welche den Häretikern zu verschmitzten Ausreden nicht nur keinen Stoff geben, sondern im Gegenteil sogar ihr altes Gras auszurupfen dienen, — deshalb hat er nunmehr alle früheren Zweideutigkeiten und die Parabeln durch klare und verständliche Verkündigungen des ganzen Lehrgeheimnisses beseitigt, in der neuen Prophetie, die aus dem Paraklet hervorquillt. Wollte man aus seinen Quellen schöpfen, so würde man nach keiner Lehre mehr dürsten und keine Streitfrage uns noch zu erhitzen imstande sein, sondern wir würden, beständig des Leibes Auferstehung trinkend, Erquickung finden.

1: I. Mos. 3, 22.
2: Diese Bemerkung ist gegen die Gnostiker gerichtet.
3: Joël 3, 1.
4: I. Kor. 11, 19.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger