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Tertullian († um 220) - Über die Auferstehung des Fleisches. (De resurrectione carnis)

51. Cap. Fortsetzung. Fleisch und Blut waren bei unserem Vorbilde, Christus, keineswegs vom Himmelreich ausgeschlossen. Paulus lehrt deutlich und ausdrücklich Vernichtung des Todes und Aufhebung der Verwesung.

Für alles jedoch wird nunmehr das stehen, was wir zum Schluss aufgespart haben; auch für den Apostel selbst, der im höchsten Grade der Unbedachtsamkeit zu zeihen wäre, wenn er, wie einige wollen, in solch abgerissenener Weise, sozusagen mit geschlossenen Augen unterschiedslos und unbedingt alles Fleisch und Blut ganz allgemein aus dem Reiche Gottes verbannt hätte, selbstverständlich auch aus dem Königspalaste des Himmels selber, obwohl doch jetzt dort zur Rechten des Vaters Jesus sitzt; Mensch, wenngleich Gott; letzter Adam, wenn auch ursprüngliches Wort; Fleisch und Blut, obgleich von reinerer Beschaffenheit als das unsrige, und doch eben derselbe sowohl der Substanz als der Gestalt nach, wie bei seiner Himmelfahrt. Er wird nach der Aussage der Engel ebenso wieder herabsteigen; denn er soll ja wieder erkannt werden von denen, welche ihn verwundet haben. Dieser ist es, der „Mittler zwischen Gott und den Menschen“1 genannt worden ist, infolge davon, dass ihm [S. 490] von beiden Parteien ein Depositum anvertraut wurde, und er verwahrt bei sich selbst auch das Depositum des Leibes, das Unterpfand der Gesamtsumme. Denn, wie er uns das Handgeld des Geistes zurückliess, so hat er von uns das Handgeld des Leibes empfangen und es mit sich in den Himmel genommen als Unterpfand dafür, dass die Gesamtsumme einst von dort zurückkomme. Seid unbesorgt, Fleisch und Blut, ihr habt in Christus das Reich Gottes und den Himmel bereits inne! Oder wer euch dieses und den Himmel abspricht, der leugnet auch Christum im Himmel selber.

So sagt Paulus auch: „Die Verwesung wird nicht die Unvergänglichkeit ererben“,2 nicht damit man Fleisch und Blut für die Verwesung halte, da sie ja vielmehr nur das der Verwesung Ausgesetzte sind, nämlich infolge des Todes; denn der Tod ist es, der Fleisch und Blut nicht nur verdirbt, sondern auch aufzehrt, — wohl aber hat er deshalb, weil nach seinem früheren Ausspruche die Werke des Fleisches und Blutes das Reich Gottes nicht erlangen können, um diesen Ausspruch noch mehr zu verstärken, sogar der Verderbnis selbst, d. i. dem Tode, welchem die Werke des Fleisches und Blutes in die Hände arbeiten, die Erbschaft der Unvergänglichkeit genommen. Denn bald darauf hat er gewissermassen von einem Tode des Todes selbst etwas verlauten lassen und gesagt: „Verschlungen ist der Tod im Streit. Wo ist, Tod, dein Stachel, wo ist, Tod, deine Macht?“3 Der Stachel des Todes besteht in der Übertretung; diese wird dann auch die Verwesung sein. Die Kraft aber ist das Gesetz der Sünde, ohne Zweifel jenes andere, welches er in seine Glieder versetzt hat, welches gegen das Gesetz seines Geistes streitet,4 nämlich eben die Macht, zu sündigen wider Willen. Denn oben hat auch er gesagt, der letzte Feind, der Tod, werde vernichtet.5

Auf diese Weise erlangt die Verwesung nicht die Unvergänglichkeit als ihr Erbtheil. Das heisst, auch der Tod wird keinen Bestand haben. Wann und wie wird er aber ein Ende nehmen? Wenn „in einem Nu, in einem Augenblick bei der letzten Posaune auch die Toten unverweslich auferstehen“.6 Wer sind diese, wenn nicht die, welche vorher verwest waren? d. h. die Leiber, d. h. Fleisch und Blut. „Auch wir werden verändert“.7 Aus welchem Zustand, wenn nicht aus demjenigen, in welchem wir angetroffen werden? „Denn es muss dieses Verwesliche anziehen die Unvergänglichkeit und dieses Sterbliche anziehen die Unsterblichkeit“.8 Welches Sterbliche? Doch nur der Leib? Welches Vergängliche, wenn nicht das Blut. Und damit du da, wo der Apostel für dich Vorsorge trifft und sich abmüht, damit du einsiehest, der Ausspruch beziehe sich [S. 491] auf den Leib, nicht glaubest, er habe etwas anderes dabei im Sinn, so spricht er die Worte: „dieses Vergängliche und dieses Sterbliche“, gleichsam indem er seine eigene Haut hinhält. Er konnte das Wort: „dieses“ sicher nur auf etwas Vorliegendes und Sichtbares beziehen. Es ist der Ausdruck für das körperliche Zeichen. Das Verwesliche ist aber etwas anderes als die Verwesung, das Sterbliche etwas anderes als die Sterblichkeit. Denn das, was leidet, ist etwas anderes als das, was das Leiden bewirkt? So muss denn also dasjenige, was die Verwesung und das Sterben zu erleiden hat, auch die Unverweslichkeit und Unsterblichkeit an sich erfahren.

1: I. Tim. 2, 5.
2: I. Kor. 15, 50.
3: Ebend. 15, 55.
4: Röm. 7, 23.
5: I. Kor. 15, 26.
6: Ebend. 15, 52.
7: Ebend.
8: I. Kor. 15, 53.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger