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Tertullian († um 220) - Über die Auferstehung des Fleisches. (De resurrectione carnis)

44. Cap. Fortsetzung. Auch II. Kor. 4, 10 spricht keineswegs gegen die leibliche Auferstehung.

[S. 477] Wenn man noch näherhin auf das Vorangegangene,1 wodurch die Erwähnung des innern und äussern Menschen2 veranlasst wurde, zurückblickt, wird man da nicht auch die Würde und Hoffnung des Leibes in ihrer Vollständigkeit finden? Wenn Paulus nämlich, in betreff des Lichtes, welches Gott in unseren Herzen zur Erleuchtung angezündet hat, damit man seine Herrlichkeit in der Person Christi erkenne, sagt, „wir tragen diesen Schatz in irdenen Gefässen“, nämlich im Fleische, wird dasselbe etwa, weil es seiner Herkunft nach vom Lehme, irden ist, zerstört, oder wird es nicht vielmehr, weil es zum Aufbewahren des himmlischen Schatzes dient, erhöht werden? Wenn nun sogar jenes wahre Licht Gottes, das in der Person Christi das Leben in sich enthält, und dieses selbige Leben mit dem Lichte dem Fleische anvertraut wird, kann dann wohl das, dem das Leben anvertraut wird, dem Untergange ausgesetzt sein? Fürwahr, dann würde der Schatz selbst ein vergänglicher sein, da man Vergänglichem nur Vergängliches anvertraut, wie den alten Schläuchen neuen Wein.

Wenn Paulus dann ebenso fortfährt: „Wir tragen immer das Sterben Christi an unserem Leibe“,3 was wird das für ein Gegenstand sein, der neben der Benennung „Tempel Gottes“ auch noch die eines Grabes Christi zu führen imstande ist? Warum tragen wir das Sterben des Herrn am Leibe herum? „Damit das Leben“, lautet die Antwort, „offenbar werde.“ Wo denn? Am Körper. An welchem? Am sterblichen. Also an dem Leibe, welcher infolge der Schuld allerdings sterblich ist, aber auch lebensfähig durch die Gnade, und siehe nur zu, durch welche grosse Gnade; denn in ihm wird ja das Leben Christi geoffenbart. Also an einer Sache, die dem Heile fremd ist, an dem Gegenstande beständig dauernder Auflösung wird das ewige Leben Christi sich offenbaren, das beständige, das unvergängliche, jenes Leben, das bereits Leben Gottes ist? Jenes Leben, welches er lebte bis zu seinem Leiden, welches nicht bloss bei den Juden bekannt war, sondern nunmehr, auch allen Heiden mitgetheilt worden ist!

Paulus hat hier also auf dasjenige Leben hingedeutet, welches die diamantenen Pforten des Todes, die ehernen Riegel des Totenreichs gesprengt hat, welches von da an bereits auch uns zugehört. Es wird sich am Leibe offenbaren. Wann? Nach dem Tode. Wie? Wenn wir im Körper auferstehen so wie Christus. Damit nun niemand den Trugschluss mache, das Leben Christi werde schon jetzt geoffenbart in unserem Leibe, vermittelst der Übung der Heiligkeit, Geduld, Gerechtigkeit und Weisheit, womit das Leben des Herrn geschmückt war, darum hat die vorsichtige Aufmerksamkeit des Apostels hinzugefügt: „Denn wenn wir, die [S. 478] wir leben, in den Tod hingegeben werden um Jesu willen, damit sein Leben sich offenbare im sterblichen Leibe“.4 Dies werde sich, sagt er also, nach unserem Tode an unserem Körper zutragen. Geschieht es erst dann, wie wird es geschehen ohne seine Wiederauferweckung? Darum sagt er zum Schluss auch: „Wohl wissend, dass der, welcher Jesum auferweckt hat, auch uns mit ihm auferwecken wird“,5 weil er schon von den Toten auferstanden ist; es müsste denn sein, dass das „mit ihm“ so viel als „wie ihn“ bedeutet. Bedeutet es aber „wie ihn“, dann wird er uns sicherlich nicht ohne den Leib auferwecken.

1: Ebend. 4, 6.
2: Ebend. 4, 16.
3: Ebend. 4, 10.
4: Ebenda 4, 11.
5: II. Kor. 4, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger